C 1.6 Wirkungskomponenten im Wahrnehmungsprozess

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1.6 Wirkungskomponenten im Wahrnehmungsprozess

Die Betrachtung von Karten zu Beginn eines Deutungs- bzw. Interpretationsprozesses lässt eine Vielzahl von Möglichkeiten zu, nach denen dieser Vorgang mental vorbereitet, mit den Blicken visuell begonnen und gedanklich begleitet wird. Eines scheint nach den Untersuchungen u.a. von Zhaoping et al. (2007)Zhaoping, Li u. Guyader, N. (2007): Current Biology, Bd. 17, University College, London, S. 26. relativ sicher zu sein, dass schon ein unbewusster „erster Blick“ dazu führt, dass in Sekundenbruchteilen eine relativ sichere visuelle Strukturierung einer optischen Szenerie erfolgt, die durch eine nachgeschaltete gedankliche Kontrolle in wenigen Sekunden flüchtig abgesichert wird. Diese Leistungsfähigkeit des Wahrnehmungsapparates ist zwar faszinierend und aufschlussreich, verdeutlicht aber noch nicht, was vorher und was danach in den Folgesekunden oder länger visuell, gedanklich und emotional geschieht.
Die messbaren und registrierbaren Werte und Größen empirischer Wahrnehmungsuntersuchungen resultieren nicht nur aus den unmittelbaren Bedingungen des visuell-kognitiven Vorgangs, sondern unterliegen, wie an mehreren Beispielen gezeigt wurde, einer großen Anzahl anderer Faktoren, die die Prozesse des Blickverhaltens bzw. der Wahrnehmung insgesamt beeinflussen. Dies erfolgt lang- oder kurzfristig, vor oder im Zusammenhang mit dem Vorgang selbst, voneinander abhängig oder aufeinander wirkend und sind häufig nur vage zu deuten. Zur weiteren Problematisierung dieser Situation und als weitere theoretische Voraussetzung zur Bewertung der folgenden Untersuchungen soll daher auf die Bedeutung der in Abbildung 16 mitaufgeführten Faktoren Konvention, Ästhetik, Kompetenz und Motivation, die zum Teil in der Kartographie diskutiert werden, näher eingegangen werden. Dabei ist zu vermuten, dass den diskutierten Faktoren ein unterschiedlicher Stellenwert im Rahmen der empirischen Untersuchungen und generell der kartographischen Wahrnehmung zukommen.
Tab 16n
Abb. 16 Beispiele von Wirkungsfaktoren im Wahrnehmungsprozess
In Teil A, Kap 3.3.2.5 wurde ausgeführt, dass „Wissen, Erfahrungen und Fertigkeiten, die aufgenommenen oder mental verarbeitet worden sind und zu denen keine bewusste Beziehung mehr bestehen, beim Sehen und Auslösen von Augenbewegungen eine Rolle spielen“. Gleichfalls wurde im Kapitel „Kartographische Spurentheorie“ (Teil B Kap. 5) diskutiert, welche Faktoren bei der Verkettung von Bedeutungseinheiten im Verlauf von Wahrnehmungsprozessen im Kartenbild ein Stellenwert zukommen könnte. Es wurden dabei „bedeutungstragende Mikroeinheiten“ angenommen, für die Sakkadenmuster und Fixationspositionen mit vermuteten gedanklichen Extrahierungen die Grundlage bilden. Weiterhin wurde angegeben, dass die Einheiten selbst aufgrund von Spurenanzeigen bzw. Bedeutungshinweisen (Kohärenzen) gedanklich zu übergeordneten Makroeinheiten zusammengeführt werden.
Diese Betrachtung von Wahrnehmungsverläufen in Karten zielt auf die Vermutung, dass sich Blickverläufe in ihrer Sakkaden- und Fixationsstruktur nicht nur auf der Basis der betrachteten Reizsituation und externen Einflüssen bilden, sondern sie im Zusammenhang mit zielgeleiteten Bedeutungssträngen stehen, die durch aufgenommene Informationen angereichert und damit insgesamt der angestrebten räumlichen Wissensgewinnung zugrunde liegen. Wie die folgenden empirischen Untersuchungen gezeigt haben, muss davon ausgegangen werden, dass zur Extraktion von Bedeutungen (Informationen) in der Regel mehrere Sakkadenschritte mit entsprechenden Fixationen (Cluster) zuständig sind, aber andererseits darüber hinaus erst die Verkettung von Bedeutungseinheiten für einen zielorientierten Bedeutungsfindung sorgt.
Dieser Annahme deckt sich mit dem Sachverhalt, dass die Aufmerksamkeit im Wahrnehmungsprozess, die zum gezielten Blickverhalten führt, durch begleitende gedankliche Faktoren eingeschränkt oder gefördert wird („eye-mind-hypothese“) und gleichfalls durch periphere Wahrnehmungseffekte (vgl. Teil B Kap 3.3.2) ein gedankliches Konvolut bilden, dass diversen Beeinflussungen unterliegen kann (vgl. z.B. Honsel 2012, S.31Honsel, K. (2012): Integrated Usage Mining: Eine Methode zur Analyse des Benutzerverhaltens im Web. Heidelberg). Dies unterstützt die Aussage, dass gedankliche Beeinflussungen im Wahrnehmungsverlauf zwar unmittelbar auf einer physiologischen Informationsannahme durch Blickverläufe basieren, dass aber selbst diesen und vor allem den begleitenden oder den Prozess führenden gedanklichen Faktoren eine erhebliche Einflussnahme zukommt. Daraus lassen sich verschiedene Bereiche der Wahrnehmung identifizieren, die dieser Beeinflussung unterliegen. Besonders steht natürlich die gedankliche Verarbeitung und Ausrichtung des angestrebten Ziels der Informationsgewinnung im Rahmen eines Erkenntnis- und Handlungskontextes im Vordergrund. Zum zweiten das Bewusstsein oder der Effekt zur Fähigkeit der Informationsgewinnung (in diesem Fall mit Hilfe von Karten) und die individuelle Einstellung zu dieser Fähigkeit. Als drittes die körperliche Fertigkeit zur unmittelbaren visuellen Wahrnehmung.
Für die Konzeption und Durchführung der im Folgenden darzustellenden Untersuchungen bilden diese Bereiche den Rahmen für ein zu entwickelndes Untersuchungsdesign. Dabei sollte es das Ziel sein, die im alltäglichen kartographischen Wahrnehmungsprozess wirkenden Faktoren, wie sie hier, aber auch in Kapitel 1.5 dargestellt worden sind, möglichst auf die Bedingungen der empirischen Untersuchung zu übertragen bzw. als Einflussgrößen zu berücksichtigen.

1.6.1 Konventionen

Unter Konventionen kann die Regularität des normierten sozialen und gesellschaftlichen Verhaltens in wiederkehrenden Situationen verstanden werden, bei denen die Verhaltensmuster einer allgemeinen Erwartung entspricht. Oder Konvention betrifft sich stabilisierende und festsetzende Präferenzen und Verhaltensregeln zur Lösung von Koordinationsproblemen. Soziales Verhalten kann sich dabei auf Gewohnheiten und Eingelebtheit sowie auf willkürliche oder ausdrückliche vereinbarte soziale Regeln beziehen und damit durch eine kontinuierliche Entwicklung oder durch einen Vereinbarungscharakter begründet sein.
Der Begriff Konvention wird vor allem sprachphilosophisch untersucht und definitorisch etabliert. Bei der Frage nach der Verbindlichkeit von Sprache geht es unter anderem darum, wie Sachverhalte oder Bedeutungen von Worten und Sätzen richtig benannt werden. Dies wird häufig durch die beiden Thesen der naturhaften Entsprechung (physei) oder der Setzung von Sprache durch Vereinbarung (thesei) diskutiert. Mit einem handlungstheoretischen Ansatz wird die Festlegung von Sprachbedeutungen über einen allgemeinen Kommunikationsansatz zu erklären versucht ( Grice 1989Grice, P. (1989): Studies in the Way of Words, Cambridge; vgl. Meggle 1993Meggle, G. (Hrsg.) (1993.): Handlung, Kommunikation, Bedeutung. Frankfurt a. Main). Danach stützen sich ablaufende Handlungsweisen in Form eines Kommunikationsvorgangs auf dazugehörige Konventionen. Diese Konventionen sind durch verschieden Merkmale gekennzeichnet: Einmal sind es Regularitäten, die von einer bestimmten Gruppe von Menschen getragen werden. Weiterhin handelt es sich um freie und zielgerichtete Handlungen, die in bestimmten Situationen stattfinden. Das Ziel und der Zweck sind spezifisch für die jeweilige Situation und Gruppe. Und letztendlich hängt der Erfolg der Handlungsweisen davon ab, dass jedes Mitglied der Gruppe entsprechend gleich handelt und die Gewissheit in der Gruppe besteht, dass ihr Handeln zum Erfolg führt.
Diese Merkmale konventionalisierter Handlungsweisen stellen auch Kommunikationsstrategien dar, die aufzeigen, wie eine Gruppe in bestimmten Situationen kommuniziert, in dem Mitglieder der Gruppe unter spezifischen Bedingungen Mitteilungen senden und sich darüber im Klaren sind, dass andere Mitglieder der Gruppe diese Nachrichten verstehen und wissen, dass die Gruppe, die die die Nachricht gesendet hat, dies wiederum vorausgesehen hat (Lewis 1975Lewis, D. (1975): Konvention. Berlin, New York). Dabei werden mit diesem Vorgang sprachlichen Ausdrücken als Produkte konventioneller Handlungsweisen Bedeutungen zugeordnet. Konventionen kennzeichnen also danach eine sich stabilisierende und festsetzende spezifische Form des Handelns, die sich zur Lösung eines bestimmten Typs von Handlungsakten gebildet hat. Ein mit konventioneller Handlung zu erwartender Erfolg ergibt sich daraus, dass sich die Präferenzen und Verhaltensregeln sukzessive aufgrund von Iterationen und falls erforderlich durch Modifikationen bilden, und dies unter der Voraussetzung, möglichst ein erfolgreiches Ergebnis zu erzielen.
Ο Kartographische Konventionen
beziehen sich auf Herstellungsformen von Karten sowie auf Bedingungen des Kartengebrauchs. Das bedeutet, dass sich ablaufende kartographische Kommunikations- und Handlungsweisen auf dazugehörige Konventionen stützen. Diese Konventionen kennzeichnen eine sich stabilisierende und festsetzende spezifische Form des Handelns, die sich zur Lösung eines bestimmten Typs von Handlungsakten, also hier die Ableitung von kartographischen Informationen und die Bildung von Wissen, gebildet hat. Konventionell meint nicht nur dem „Gewohnten“ oder „Alten“ zugewandt, sondern schließt die Entwicklung neuer Handlungsziele und die Verwendung neue Erkenntnisse mit ein.
Der Erfolg konventionellen Handelns ergibt sich daraus, dass sich die Präferenzen und Verhaltensregeln sukzessive aufgrund von Iterationen und falls erforderlich durch Modifikationen bilden, und dies unter der Voraussetzung, möglichst ein mit Hilfe einer für den jeweiligen Zweck brauchbaren Karte verwertbares Ergebnis zu erzielen. Dabei sind Ziel und Zweck des Handelns spezifisch für eine bestimmte Situation und Gruppe. Wenn sich ein erfolgreicher Kartengebrauch also auf vergleichbare konventionelle Bedingungen stützt, ist die Erfüllung dieser Bedingungen vor allem abhängig von dem Kartennutzer, der einer solchen konventionell handelnden Gruppe zugehören muss. Verkürzt könnte im Rahmen der vorliegenden Untersuchungen erfolgreiches konventionelles Handeln auf den Ausbildungsstand der jeweiligen Probanden, deren Routine im Kartengebrauch und ihren Einstellungen zum generellen Erfolg der Kartennutzungen bezogen werden.

1.6.2 Ästhetik

Unter Ästhetik kann ein erlebnisorientierter Zusammenhang verstanden werden, bei dem die sinnlich-gedankliche Aufnahme spezifisch strukturierter Erscheinungen, Konstrukte und Aktionen der Realität anspricht oder die Verarbeitung gedanklicher Vorstellungen zu positiven (ästhetischen) Empfindungen führt und zur Bildung gedanklicher und sprachlicher Konzepte anregt. Die Anregung und Verarbeitung ästhetischer Empfindungen kann spontan aber auch analytisch-bedacht zum Ausdruck kommen und im unterschiedlichem Umfang entsprechenden konzeptbildenden Dispositionen, Erlebnissen und Erfahrungen unterliegen, die zu Ästhetik bezogenen Einstellungen, Gewohnheiten und Handlungen führen.
Im Wissenschaftsumfeld wird Ästhetik als die Theorie von der „sinnlichen Wahrnehmung“ verstanden und ist Thematik u.a. in Philosophie, Kunst, Architektur, Psychologie, Didaktik und Design. In der Antike und besonders ab dem 18. Jahrhundert durch Alexander Gottlieb Baumgarten wurde die Ästhetik oder Aesthetika als die Lehre vom Schönen oder Erhabenen systematisch untersucht und führte danach bis heute zu einer vielwissenschaftlichen Auseinandersetzung. Danach entscheiden über den ästhetischen Wert einer Erscheinung nicht mehr die Ausprägung der Schönheit (in der Lehre der Kallistik), sondern der Ausdruck und der Nutzen oder der Wert der ästhetischen Empfindung bzw. Sinnlichkeit in Abhängigkeit von der hervorrufenden Erscheinung (vgl. Reicher-Marek 2015Reicher-Marek, M. E. (2015): Einführung in die philosophische Ästhetik. 3. Aufl., Darmstadt; Schlager-Weidinger 2019Schlager-Weidinger, T. (2019): Ästhetik. PH Linz).
Zur ästhetischen Deutung und Konzeptbildung werden unterschiedliche Beschreibungen und Bewertungen gedanklich verwendet, wie etwa umschreibende Adjektive, vereinfachende Metaphern, vergleichende Erscheinungen, Aktionen und Erlebnisse, erweiternde Phantasien und Bedürfnisse sowie verstärkende historische, gesellschaftliche und situative Bezüge. Insgesamt kann von einem ästhetischen Erleben vor allem dann gesprochen werden, wenn die durch das individuelle ästhetische Erlebnis gewonnenen Konzepte mit den daran gebundenen Empfindungen, Gefühlen und Erfahrungen in einen gegenständlichen Ausdruck transformiert werden, der mit denen anderer vergleichbar wird und kommunikativ ausgetauscht werden kann (vgl. Schomaker 2008Schomaker, C. (2008): Ästhetische Bildung im Sachunterricht: Zur kritisch-reflexiven Dimension ästhetischen Lernens. Baltmannsweiler
).
Nach Vorstellungen der evolutionären Psychologie existieren genetische Grundlagen für bestimmte ästhetische Vorlieben, wie Farben, Formen, Landschaften oder Gesichter, die sich u.a. aus den damit zusammenhängenden Gewohnheiten und Vorteilen erklären lassen. Vor allem im Zusammenhang mit als ästhetisch empfundenen Erscheinungen werden z.B. „Durchschnittlichkeit“, „Symmetrie“ und „gemäßigte Komplexität“; die unser Gehirn stimuliert und zur Musterbildung anregt, es aber nicht überfordern, genannt. Allerdings werden generell die Theorieansätze kritisiert, da u.a. evolutionär bedingte ästhetische von kulturellen Präferenzen kaum zu unterscheiden sind. So scheinen diese ästhetischen Vorlieben oder grundlegenden Veränderungen von ästhetischen Präferenzen, die in relativ kurzen Zeiträumen erfolgen, genetisch nicht erklärt werden können.
Die Ästhetik oder Schönheit zu erforschen und ihre Tauglichkeit für die Alltagswelt, als Potential gesellschaftlicher Entwicklungen sowie im Rahmen von Ansätzen der Kunst zu installieren, vollzog sich in mehreren Abschnitten und im Rahmen verschiedener philosophischer Disziplinen. Dabei setzt die sogenannte Erkenntnisästhetik beispielsweise voraus, dass es verschiedene Ebenen ästhetischen Erlebens gibt. So werden einmal unmittelbare Sinneseindrücke als angenehm oder unangenehm empfunden: bildliche Phänomene, Musik und Geräusche, Skulpturen, Texte, Materialien und Textilien, Gebäude, Landschaften oder Wetterphänomene werden als schön oder nicht schön empfunden. Darüber hinaus können aber auch Vergleiche oder Begründungen reflektiert werden: „Sonnenwetter“ ist gegenüber „Regenwetter“ meistens angenehm (schön). Dies führt zu der Erkenntnis, dass aus ästhetischen Empfindungen verallgemeinerte Erlebnissituationen abgeleitet werden können, mit der Folgerung, dass das Prädikat „schön“ nicht nur der Empfindung, sondern gleichfalls der „schönen Erscheinung“ zugeordnet wird. Diese allgemein und im Detail diskutierten Erkenntnisse führten u.a. zur Folgerung, dass durch Präsentation und Inszenierung von „Ästhetik“ Verhalten beeinflusst werden kann und damit dem ästhetischen Empfinden und Erleben eine didaktische aber vor allem auch beeinflussende bzw. manipulirende Dimension zukommt.
Ο Kartographische Ästhetik
wird schon seit langem im Zusammenhang mit der theoretischen Fragestellung nach dem künstlerischen Aspekt von Karten diskutiert und steht gleichfalls als begleitete oder angestrebte “Anmutigkeit“ von Kartenbildern oder Kartenelementen im Blickpunkt der praktischen Kartographie. Unter kartographischer Ästhetik kann ein erlebnisorientierter Zusammenhang verstanden werden, bei dem die sinnlich-gedankliche Wahrnehmung und der Gebrauch von Karten zu positiv-ästhetischen Empfindungen und zur bevorzugten Nutzung von Karten führen. Diese ästhetischen Empfindungen können spontan aber auch analytisch-bedacht zum Ausdruck kommen und zu Kartographie bezogenen Einstellungen, Gewohnheiten und Handlungen führen.
Es können danach mehrere Vorgänge unterschieden werden, nach denen Ästhetik zum Tragen kommt: Zum einen die individuelle ästhetische Empfindung und das Erlebnis, die aufgrund der Wirkung graphischer Kartenelemente oder -inhalte entstehen oder in dieser Form indirekt vermittelt werden. Zum anderen Bewertungen und gezielte Folgerungen, die für den unmittelbaren Gebrauch aber auch für den gesellschaftlichen Wert von Karten gezogen werden. Und schließlich das daraus abgeleitete Ziel der Kartenherstellung, ästhetische Anmutungen zu berücksichtigen bzw. nichtästhetische zu vermeiden. Daraus ergibt sich die Situation, dass eine Abhängigkeit zwischen der Wirkung von Graphik und der Bedeutung des Karteninhalts bestehen kann. Der Kartengraphik kommt damit ein Beeinflussungspotential zu, aufgrund dessen der Gebrauch einer Karte unterstützt aber beispielsweise auch in negativer Weise beeinflusst wird.
Ästhetische Effekte in Karten können sich aufgrund verschiedener Konstellationen ergeben. Zum einen besonders durch in der Kartographie verwendete und bewährte graphische und inhaltliche Strukturen, wie zum Beispiel Harmonieeffekte bei Farb- und Zeichenausformungen. Zum anderen durch aus der künstlerischen und Alltagswelt abgeleiteten und ästhetisch mit bestimmten Effekten belegten Graphikszenerien. Und drittens durch der Realität angenäherte Abbildungsformen, wie sie in der Praxis besonders für die Geländedarstellung, für perspektivische Projektionen und insgesamt für Farb- und Formübereinstimmungen angestrebt werden. Dabei kann die Wirkung dieser kartographischen Effekte und Formen spontan erfolgen aber auch aufgrund ausgedehnter Erlebnisse und Erfahrungen geprägt sein.
Insgesamt kann für die vorliegenden empirischen Untersuchungen konstatiert werden, dass aufgrund der Vielschichtigkeit ästhetischer Einflüsse, diese sich nicht unmittelbar bei der Auswahl von Probanden für eine Stichprobe berücksichtigen lassen. Die Folge ist, dass einerseits die Bestimmung von Probanden hinsichtlich ihrer Einstellungen und Empfindungen für ästhetische Faktoren nicht erfolgen konnte und andererseits nicht nachvollziehbar ist, inwieweit ästhetischen Kriterien Einfluss auf den Wahrnehmungsprozess beim Angebot unterschiedlicher kartographischer Wahrnehmungsmodelle zukommt.

1.6.3 Kompetenz

Unter Kompetenz kann die Verfügbarkeit und Vorstellung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten verstanden werden, die erlern- und vermittelbar sind sowie grundsätzliche Handlungsanforderungen innerhalb eines Tätigkeitsbereichs wiedergeben. Dazu müssen bestimmte Probleme gelöst werden, um die damit verbundenen Bereitschaften und Fähigkeiten anzuregen sowie Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll zu nutzen (Klieme u.a. 2003Klieme, E. u.a. (2003): Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards. Eine Expertise. BMBF, 6, 71-76, Berlin; Weinert 2001Weinert, F. E. (Hrsg.) (2001): Leistungsmessungen in Schulen. Weinheim, Basel). Diese Darstellung wird je nach Ausrichtung in den Wissenschaftsdisziplinen etwa in Arbeit orientierte, lernorientierte, erzieherische, künstlerische oder allgemeine Lebenssituationen betreffende Kompetenzen differenziert.
Übergeordnet wird der Kompetenzbegriff besonders auf Situationen des Handelns ausgerichtet. Die Betroffenheit des Handelnden hängt dabei von der persönlichen Bedeutung der Situation, der Handlungswertigkeit (Valenz) und den notwendigen Kompetenzen zur Situationsbewältigung ab (Nitsch et al. 2016Nitsch, J.R. u. Hackfort, D. (2016): Theoretical framework of performance psychology: An action theory perspective. In: Performance psychology. Perception, action, cognition and emotion ,11–29. Amsterdam
). Handlungskompetenz als umsetzungsorientiertes Agieren schließt damit personale, fachlich-methodische und sozial-kommunikative Kompetenzen mit ein, um Handlungen erfolgreich zu realisieren. Nach Vorgaben aus Kultusministerkonferenz (2018)Kulturministerkonferenz (2018): Handreichung für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der Kultusministerkonferenz für den berufsbezogenen Unterricht. werden sie für die berufliche Bildung verstanden als die Bereitschaft und Befähigung des Einzelnen, sich in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen sachgerecht durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten. Im Einzelnen können darunter folgende berufliche Fähigkeiten und Fertigkeiten verstanden werden:
  • Informationen beschaffen, strukturieren, bearbeiten, aufbewahren, wiederverwenden und darstellen;
  • Ergebnisse von Verarbeitungsprozessen richtig interpretieren und in geeigneter Form präsentieren;
  • Anwendung von Problemlösungstechniken;
  • Gestaltung von Problemlösungsprozessen.
Kompetenzen werden durch Lernen und Erfahrungen erworben und sind u.a. durch Interventionen meist im Rahmen von Bildungsprozessen veränderbar. Differenzierungen des Kompetenzbegriffes werden in der Regel in Abhängigkeit von Inhaltsbereichen vorgenommen, wie beispielsweise als kognitiv beeinflusste Schreib- und Lesekompetenz oder mathematische und künstlerische Kompetenzen sowie den Verarbeitungsprozess berücksichtigende emotionale, motivationale und soziale Kompetenzen. Für psychologische Fragestellungen haben sich diese und weitere Definitionen allerdings als wenig nützlich erwiesen, da sie aufgrund ihrer geringen Konkretisierung nicht hinreichend operalisiert sowie zugeordneter theoriebasierter Annahmen nur schwer validiert werden können. Häufig werden Kompetenzen mit Persönlichkeitsmerkmalen gleichgestellt. Ein solcher Ansatz kann aber nur durch die Identifikation von diversen Einflussfaktoren und unterscheidbaren Zusammenhangsstrukturen empirisch zugänglich werden. Insofern sind Kompetenzen eher als komplexer inhaltsbezogener Aspekt denn als analytisch zugängliches Konstrukt zu verstehen (Wirtz 2019Wirtz, M. A. (2019): Kompetenz. In: Dorsch Lexikon der Psychologie. Bern).
Die Definition und Bewertung des Begriffs Kompetenz lässt sich besonders gut durch den Vergleich mit verwandten Begriffen herstellen. Für eine Abgrenzung gegenüber dem Begriff Wissen kann Kompetenz als Einheit von Wissen und Können aufgefasst werden. Oder für eine Abgrenzung zum Intelligenzbegriff kann herausgestellt werden, dass Intelligenz im Gegensatz zur Kompetenz weniger auf spezifische Gebiete (Domänen) fokussiert ist. Besonders interessant und aktuell ist die Unterscheidung zum Begriff der Qualifikation. Qualifikationen können als Verwertungswissen gesehen werden und sind Wissens- und Fertigkeitspositionen, die personenunabhängig Anforderungen beschreiben. Sie umfassen bestimmte Komplexe von Kenntnissen und Fertigkeiten die in beruflichen und allgemeinen Tätigkeiten verfügbar sein müssen, um anforderungsorientiert handeln zu können. Dagegen ergibt sich die heutige Bedeutung von Kompetenz nach Borner (2019)Borner, J. (2019): Die Entwicklung und Strukturierung des Kompetenzbegriffes Von der Qualifikation zur Kompetenz. Kolleg für Management und Gestaltung nachhaltiger Entwicklung. Berlin
aus der zunehmenden Komplexität, dem wachsenden Nichtwissen und den zunehmenden Risiken in Entscheidungs- und Entwicklungsprozessen. Insgesamt resultiert dies aus Lebensbedingungen mit „scheinbar widersprüchlichen zumindest aber stetig sich wandelnden Bedingungen und der Unvoraussagbarkeit von dem, was die Zukunft sein kann.“
Ο Kartographische Kompetenz
zielt auf die Verfügbarkeit von erlern- und vermittelbarem Wissen, von Fähigkeiten und Fertigkeiten, um Karten, die auf bestimmte Verwendungen ausgerichtet sind, herstellen und nutzen zu können. Dazu muss die damit verbundene Bereitschaft und Fähigkeit angeregt werden, mit dem Ziel, dass kartographische Problemlösungen in unterschiedlichen Herstellungs- und Anwendungssituationen erfolgreich und verantwortungsvoll zu realisiert sind. Kompetenz ist besonders auf kartographisches Handeln ausgerichtet. Handlungskompetenz als umsetzungsorientiertes kartographisches Agieren, schließt personale, fachlich-methodische und sozial-kommunikative Kompetenzen mit ein. Für den Einzelnen zielt es auf die Bereitschaft und Befähigung, sich in beruflichen, vor allem schulischen (vgl. z.B. Diekmann-Boubaker 2010, Hüttermann 2020Hüttermann, A. (2020): Einsatz von Karten im Geographieuntericht. Workshop Sektion Berlin-Brandenburg der DGfK) und allgemeinen Situationen kartographischen Handelns sachgerecht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten.
Kartographie lässt sich aus arbeits- oder domänenspezifischer Sicht in die Gebiete Kartenherstellung und Kartennutzung unterteilen, aus der Sicht des Begriffs „Kompetenz“ aber darüber hinaus u. a. in Erkenntnisbereiche und Fragestellungen, die Verflechtungen, Abhängigkeiten und Einbindungen der Kartographie in einen gesellschaftspolitischen Kontext aufzeigen. Einerseits ergibt sich aus diesem spezifischen Wissen die Fähigkeit, den Herstellungsprozesse und die vorliegenden Ergebnisse durch Rückkopplungen auf angestrebte Nutzungsziele und -situationen zu überprüfen und gegebenenfalls den Herstellungsprozess danach zu korrigieren. Andererseits kann die Karteninterpretation und Wissensbildung über die Abhängigkeit dieser Prozesse mit der Auswahl und konkreten Gestaltung des Karteninhalts und der graphischen Form von Karten gesteuert und korrigiert werden. Kartographische Kompetenz meint damit auch Kenntnisse und Fähigkeiten, um neues kartographisches Wissen, das heißt neue Entwicklungen im technischen, aber vor allem auch im gesellschaftlichen und sozialen Kontext ansprechen, beurteilen und integrieren zu können.
Die so angesprochenen kartographischen Kompetenzen machen deutlich, welche Aspekte einer bestimmten fachlichen Ausprägung und Ausrichtung von Erkenntnissen, Fähigkeiten und Einschätzungen zugrunde liegen. Im Zusammenhang mit den folgenden Untersuchungen stellt sich daher die  Frage, ob bei Probanden, die zwar über eine kartographische Grundausbildung verfügen, sich aber aus den Geo-, Umwelt- und Biowissenschaften, der Informatik, der Mathematik und der Archäologie rekrutieren, aufgrund ihres damit erworbenen sozial-, natur- und formalwissenschaftlichen Hintergrundwissens ein Einfluss auf deren Einschätzungen und Einstellungen gegenüber den einzelnen Untersuchungen zu erwarten ist. Zeigen sich also aufgrund des eventuell überlagernden fachfremden Wissens Auswirkungen auf die Ausführung der häufig spezifisch kartographischen Fragestellungen und Untersuchungsaufgaben?

1.6.4 Motivation

Motivation wird vor allem mit dem Streben nach Zielen oder Zielobjekten interpretiert, also die Wahl von Handlungszielen sowie die Ausführung von zielgeleiteten Handlungen und ist damit in einigen Merkmalen verwandt mit dem Begriff Interesse. Im Rahmen der Motivationsforschung wird Motivation u.a. am alltäglichen Lebensvollzug von Menschen thematisiert und der Einfluss persönlicher Ziele auf das emotionale Wohlbefinden analysiert. Es zeigt sich, dass das entschiedene Einstehen zur Realisierung mit einem persönlichen Anliegen verbunden ist, mit günstigen Realisierungsbedingungen, zum Beispiel durch Unterstützungen aus dem sozialen oder situativen Umfeld, sich Fortschritte bei der Zielverfolgung ergeben und infolgedessen Zufriedenheit einstellt (vgl. Brandstätter 2000Brandstätter, V. (2000): Motivation. In: Lexikon der Psychologie. Heidelberg
). Dabei gehen Intentionen zur Durchführung von Handlungen von der handelnden Person selbst aus. Sie legt fest, wann, wo und wie sie zielrealisierend handeln will. Das bedeutet, dass sie eine Beziehung zwischen einer Gelegenheit und einer vorzunehmenden Handlung herstellt, so dass dieser Zusammenhang einen speziellen Handlungsimpuls auslöst.
In der Motivationspsychologie wird zwischen Zielwahl (motivational) und Zielrealisierung (volitional) unterschieden, wobei sich volitionstheoretische Überlegungen auch mit Fragen der Handlungsausführung befassen. Dazu werden Merkmale unterschieden, die Handlungsziele haben müssen, um erfolgreich umgesetzt zu werden. Als zentrale These hat sich dabei ergeben, dass konkrete Ziele im Vergleich zu wenig konkreten Zielvorgaben die Leistung fördern. Derartige konkreten Zielsetzungen sollen dabei die Aufmerksamkeit ausrichten, Anstrengungen mobilisieren, die Ausdauer erhöhen und die Suche nach geeigneten Handlungsstrategien fördern (vgl. Heckhausen 1989Heckhausen, H. (1989): Motivation und Handeln. Berlin).
Eine grundlegende Gliederung der Motivation wurde nach den Bedürfnismotiven „Machtstreben, Zugehörigkeit und Leistung“ unterschieden (McClelland 1987McClelland, M. C. (1987): Human motivation. Cambridge
). Daraus wurden verschiedenen Motivquellen empirisch ermittelt und zwar als sogenannte extrinsische und intrinsische Motivationen. Bei der extrinsischen Motivation erbringen Menschen bestimmte Leistungen, bei denen die Aussicht auf konkrete Vorteile oder Belohnungen zählt. Weiterhin zählt die Ausrichtung aus der Rolle und den Erwartungen des gesellschaftlichen Umfelds und die Aneignung und Verinnerlichung (Internalisierung) von Zielen einer zugehörigen Organisation. Intrinsische Motivationen stammen aus dem Erleben des Verhaltens selbst oder der Erwartung dieses Erlebens. Besondere Merkmale sind, dass jemand eine Aufgabe um ihrer selbst willen bewältigt, ohne dass bestimmte Vorteile oder Belohnungen berücksichtigt werden und dass sich an internen Standards und Maßstäben orientiert wird, die meistens nicht mehr nachvollziehbar sind und als eine Idealvorstellung des Handelns verinnerlicht sind. Bei dieser Quelle der Motivation ist das Leistungsmotiv besonders stark angeregt.
Ο Kartographische Motivation
bezieht sich auf die Bildung von kartographischen Handlungszielen und die Ausführung von zielgerichteten kartographischen Aktionen. Wird der Begriff auf die Nutzung von Karten begrenzt, wie es für die vorliegenden Untersuchungen sinnvoll ist, können die dabei angesprochenen sensorischen, kognitiven und emotionalen Vorgänge der Informationsgewinnung in eine konzeptionelle Ebene, wie sie mit den „kartographischen Handlungsfeldern“ vorgegeben ist (Teil B Kap. 2 u.3), sowie in eine Wahrnehmungsebene, wie sie beispielsweise mit den Vorgängen der Blickbewegungen aber auch mit der zielorientierten Informationsgewinnung und der Wissensbildung angesprochen ist, unterschieden werden.
Motivation kann als Prozess der Aktivierung eines Motivs gesehen werden, das heißt die latente Disposition „Karten nutzen zu wollen“, als zielgerichtete Handlung motivational zu aktivieren und dieses bis zur Zielerreichung aufrecht zu erhalten. Dazu muss die Aufmerksamkeit auf die jeweilige Karte gerichtet sein, Anstrengung und Ausdauer für den visuell-gedanklichen Wahrnehmungsvorgang mobilisiert und erhöht sowie geeignete Handlungsstrategien zum Beispiel für die Blickführung gesucht werden. Diese sogenannte volitionale Aktivierung oder Umsetzung ist abhängig von den verfügbaren Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie von einer spezifischen motivationalen Zielwahl. Diese Wahl kann auch von den Merkmalen der jeweiligen Handlungssituation, und den Erwartungen, die an sie gestellt werden, beeinflusst werden. Das heißt, es wird die Ansteuerung eines Handlungsziels bewusst zur Disposition gestellt, indem die Attraktivität des jeweiligen Ziels mit der Erwartung, es zu erreichen, verrechnet wird.
Die Wahl eines Handlungsziels ergibt sich im vorliegenden Fall aus den Bedingungen der durchzuführenden empirischen Untersuchungen und führt zu daraus resultierender freien Zielwahl durch die eingebundene Versuchsperson. Deren Rolle ist damit auf ein interessengeleitetes Handeln ausgerichtet, bei dem die in dem Handlungsvorgang selbst liegenden Anreize als sogenannte intrinsische Motivation und die mit der Handlung zusammenhängenden äußeren Bedingungen als extrinsische Motivation zum Tragen kommen.
Intrinsische Motivation ergibt sich danach aus dem Erleben des Verhaltens im Rahmen der Kartennutzung selbst oder der Erwartung dieses Erlebnisses. So kann die Motivation beispielsweise darin bestehen, etwas interessantes Neues zu erfahren und daraus etwas zu lernen. Oder Aktivitäten in einer Wissenschaftsgruppe zu erleben und sich damit als Mitglied der Gruppe zu fühlen. Sowie eigene Leistungen zu erfahren und diese mit anderen Leistungen vergleichen zu können. Besonderes Merkmal ist also, dass die Aufgabe um ihrer selbst willen angestrebt wird, ohne dass ein externer Nutzen eine Rolle spielt.
Bei der extrinsischen Motivation stehen Leistungen im Vordergrund, die im Zusammenhang mit den in Trier durchgeführten Untersuchungen konkrete Vorteile oder einen materiellen Nutzen erwarten lassen. So kann beispielsweise die Erwartung von Vorteilen für die generelle fachliche Bewertung im jeweiligen Studienfach eine Rolle spielen oder negative Folgen, bei Nichtausführung der Handlungen. Ein konkreter Aspekt von Motivation ergibt sich beispielsweise daraus, dass Sympathien bei der Versuchsleitung gefördert werden, indem seine Arbeit mit der Handlungsteilnahme unterstützt wird. Oder es kann die wissenschaftliche Förderung des entsprechenden Studienfachs durch Teilnahme an den Untersuchungen angestrebt werden, was sowohl externe als auch interne Aspekte von Motivation betrifft. So muss generell davon ausgegangen werden, dass durch motivationale Zielwahl nicht nur alternative Ziele anzustreben sind, sondern dass differenzierte Abwägungen getroffen werden oder sich aus antipizierten Affekten bilden, um eine generelle Zufriedenstellung bei der jeweiligen Person zu erreichen.
 

1.7 Zusammenfassung

Die als Beispiele aufgeführten Faktoren stellen Persönlichkeitsmerkmale oder Verhaltensvoraussetzungen dar, die im Kartographischen Wahrnehmungsvorgang als Wirkungseigenschaften zum Tragen kommen. Der Kartenbetrachter beeinflusst unbewusst oder bewusst auf der Basis dieser Faktoren den Ablauf der Informationssuche und -gewinnung und deren Ausprägungen sukzessive und rückkoppelnt aufgrund erlebter Verhaltensabläufe. Die Definition und Deutung der aufgeführten Begriffe erfolgen häufig aus begrenzter Sicht und sind nicht immer eindeutig, verdeutlicht aber die weitreichende Prägung und Beeinflussung des menschlichen Wahrnehmungsvorgangs. Den gewählten Definitionen in Tabelle 15 kommt mal mehr und mal weniger ein physiologischer, psychologischer, neurowissenschaftlicher, pädagogischer, handlungstheoretischer und alltagsprachlicher Hintergrund zu, sie können damit auch entsprechend in einem unterschiedlichen Zusammenhang gesehen und bewertet werden.