B 4.5 Kartographische Metaphorik

4.5 Kartographische Metaphorik

Bildliche Metaphern ergeben aufgrund ihrer optischen und inhaltlichen Struktur einerseits eine große Vielseitigkeit an visuellen und konzeptuellen Möglichkeiten der Wahrnehmung und Wissensbildung. Auf der andern Seite führt die nur schwer regelbare und nicht immer zielführende Gestaltung von bildlichen Metaphern zu einer ausgeprägten Deutungsoffenheit. Sprachliche Metaphern, die aufgrund ihrer Funktion- und Wirkungsmöglichkeiten durchaus auch Interpretationen zulassen und sogar ermöglichen sollen, sind dagegen aufgrund der zugrundeliegenden konventionalisierten Sprachstruktur in der Regel eindeutiger als bildliche Metaphern. Bildliche Metaphern führen aufgrund ihrer nur schwer regelbaren und nicht immer zielführenden Gestaltung zu einer Deutungsoffenheit.

Sprachliche Metaphern sind aufgrund ihrer konventionalisierten Sprachstruktur eindeutiger auslegbar.

Allerdings führen Metaphern als Bilder zu einer Direktheit und Schnelligkeit der Wahrnehmung, die bei sprachlichen Textkonstrukten nicht ohne weiteres erreicht wird. Dies wurde durch zahlreiche psychologische und didaktische Untersuchungen und Theorien belegt (vgl. z.B. Schumann-Hengsteler 1995; Anderson 2007; Heinz et al. 2015). Besonders die Leistungsfähigkeit des „visuellen Speichers“ ermöglicht eine rasche visuelle Identifizierung von bildlichen Elementen und ihre Einordnung in die gedankliche Konzeptbildung. Ein weiteres Argument für die Leistungsfähigkeit von bildlichen Metaphern liegt im gemeinsamen Gebrauch mit Texten. Nach Paivio (2006) bilden unterschiedliche interne Darstellungseinheiten die Bausteine des verbalen und des non-verbalen kognitiven Systems. Beide Systeme weisen eine funktionale Eigenständigkeit, aber auch eine kognitive Vernetzung auf (vgl. Sadoski et al. 2001). Ohne an dieser Stelle weiter auf die wissenschaftliche Diskussion zur gedanklichen Bildspeicherung und -verarbeitung einzugehen, sollen im Folgenden davon ausgehend einige Überlegungen zu einer „kartographischen Metaphorik“ dargestellt werden. Die Bildlichkeit von Metaphern führt zu einer Direktheit und Schnelligkeit der Wahrnehmung, die bei sprachlich-textlichen Metaphern in der Regel nicht erreicht wird.

Die Interpretationsmöglichkeiten und Wirkungen von bildlichen Metaphern können gemeinsam mit Texten erhöht werden.

4.5.1 Metaphorische Struktur von Karten

Kartographische Metaphorik kann sich einerseits unmittelbar mit der Form von Metaphern und Metaphernkonzepten befassen, aber auch andererseits mit dem inhaltlichen, graphischen und visuell-gedanklichen Rahmen kartographischer Wahrnehmung, in dem Metaphern wirksam werden können. Im Folgenden sollen Karten- und Zeichenstrukturen hinsichtlich ihrer metaphorischen Eigenschaften und daran anknüpfend ihre Deutung unter kartographischen Wahrnehmungsbedingungen analysiert werden. Dahinter steht die Annahme, dass sich die visuell-gedankliche Deutung von kartographischen Zeichenmustern unter bestimmten Voraussetzungen auf einen weitergefassten metaphorischen Wirkungszusammenhang stützt. Die visuell-gedankliche Deutung von kartographischen Zeichenmustern stützt sich unter bestimmten Voraussetzungen auf einen weitergefassten metaphorischen Wirkungszusammenhang.
Ein wichtiger Aspekt kartographischer Metaphorik ist die Frage nach dem Bezugsrahmen, auf den sich Metaphern in Karten beziehen. Zum einen kann es die georäumliche Realität sein, deren Elemente unmittelbar aus der Umwelt als Modell abgeleitet sind. Zweitens kann es ein gedankliches Konzept sein, nach dem die Realität wahrgenommen, erlebt und nach dem gehandelt werden soll und drittens ein Datenmodell, nach dem die Realität erfasst und modelliert wird? Es ist zu vermuten, dass Metaphern bei ihrer Deutung mit sämtlichen drei Bereichen im gedanklichen Zusammenhang stehen, woraus sich die kartographische Struktur der Begriffs- und Sachverhaltsebene erklären lässt, auf die metaphorischen Kartenzeichen visuell-gedanklich bezogen werden. Auf welche Form einer „Sachverhalts- und Begriffsebene“ beziehen sich kartographische Metaphern:

  • eine modellierte Realität;
  • ein gedankliches Konzept,
  • ein Datenmodell,
Kartographische Informationen sind in einen georäumlichen Rahmen eingebunden, in dem die angeordneten Elemente als eine zusammengehörige Einheit, aber gleichzeitig auch als selbständige Einzelelemente zur Wirkung kommen. Diese doppelte Sicht resultiert vor allem aus der individuellen räumlichen Positionierungen der Elemente, aber zusätzlich auch aus den sich daraus ergebenden georäumlichen Netzen und Mustern mit ganz spezifischen euklidischen, topologischen und substanziellen Eigenschaften. Die doppelte Sicht führt vermutlich auch dazu, dass aus Kartenszenerien zwar komplexe gedankliche Konzepte abgeleitet werden können, diese Konzepte sich aber aufgrund der ausgeprägten Detailbedeutung von Zeichen mit separaten Vorstellungen der Realität verbinden, und diese gedanklich zu realitätsnahen Einzelbilder führen. So ergeben sich in Karten vermutlich unterschiedliche Formen metaphorischer Zusammenhänge, auf die unterschiedliche Metaphernkonzepte bezogen werden können. In einer Karte angeordnete Elemente werden wahrgenommen und vorgestellt als

  • zusammengehörige Einheit,
  • selbständige Einzelelemente
  • Einzelbilder der Realität.
Bei der metaphorischen Einschätzung von kartographischen Abbildungsbedingungen spielt gleichfalls das jeweilige Ziel bzw. die aktuelle Situation der Kartennutzung eine Rolle. Besonders für die Karte als visuell-exploratives Analyseinstrument zeigt sich, wie schon ausgeführt wurde, dass diese visuellen Verfahren zunehmend durch digital-statistische Methoden der Raumanalyse abgelöst werden. Danach werden Karten weniger als Analyseinstrument sondern häufiger als Medium zur Vermittlung von digitalen Analyseergebnisse genutzt und zwar u.a. in den Geo- und Umweltwissenschaften, der Bürgerunterrichtung und -beteiligung, dem Umweltschutz, in Planung und Verwaltung. Da wissenschaftliche Analysedaten nicht zwangsläufig allgemein verständlich sind, müssen sie besonders für nichtwissenschaftliche Anwendungen inhaltlich speziell aufbereitet und daraus folgernd allgemein verständlich präsentiert werden. Dazu können anfallende „wissenschaftliche Karteninhalte“ durch metaphorische Transformation beispielsweise von einer „wertmäßig“ definierten in eine vereinfachende „ordnende“ Konzeptebene überführen werden. Diese Transformationen betreffen insgesamt die inhaltliche, graphische und elektronische Form der Kartenkonzeption und wirken sich daher auf die gesamte Präsentationsstruktur anfallender Karten aus. Bei der metaphorischen Einschätzung von kartographischen Abbildungsfaktoren spielt die jeweils aktuelle Situation bzw. Funktion der Kartennutzung eine Rolle.

Für nichtwissenschaftliche Aufgabenbereiche der Kartographie müssen Daten inhaltlich speziell aufbereitet und daraus folgernd allgemein verständlich präsentiert werden.

Wie muss also eine Karte strukturiert sein, damit sie metaphorische Kriterien erfüllt? Zum einen ist sie als Gesamtbild zu unterscheiden, das die Realität insgesamt abbildet und repräsentiert und zum anderen als dahinter verborgene Daten- und Zeichen-und Erklärungsstrukturen, aus denen mittelbar die Abbildungsbedingungen hervorgehen und nach denen Zeichen als Metaphern ausgerichtet sein können.

Danach bieten sich drei konstruktive Ebenen an, deren Elemente und Merkmale sich vermutlich in einem Kartenbild wiederfinden lassen und die zum Teil schon in Teil A Kap. 4. u. Teil B Kap. 2. der vorliegenden Arbeit dargestellt wurden:

In Karte können

  • das Gesamtbild,
  • Daten- und Zeichenstrukturen sowie
  • sprachliche und graphische Erklärungen

zur Wirkung kommen.

  • Objektebene mit „georäumlichen, euklidischen und topologischen Größen“ sowie mit „substantiellen Merkmalen und Relationen“,
  • Abbildungsebene mit konstruktiven „Kartographischen Modellformen“, „Bedeutungs-Zeichen-Relationen“, bildlichen und strukturellen Differenzierungen sowie Namen- und Texteinträgen (vgl. Teil A Kap. 4.1),
  • Kartenbildebene mit Kartentitel, Rand-Koordinatenangaben, Maßstabsangabe, Legende und gegebenenfalls zusätzlichen Erläuterungen in verschiedenen medialen Formen.
Drei metaphorische Ebenen einer Karte:

  • Objektebene,
  • Abbildungsebene,
  • Kartenbildebene.
Diese drei Ebenen fassen also Merkmale und Elemente der Kartenkonstruktion zusammen, bilden aber gleichzeitig den Rahmen, aus dem sich die Bedingungen kartographischer Wahrnehmung ergeben und die daher auch für die Bestimmung der Wirkung von kartographischen Metaphern von Bedeutung sein können. Theoretische Grundlage dieser Bestimmung ist die sichere Annahmen, dass Metaphern besonders gut gedeutet werden können, wenn sie „mittels metaphorischer Darstellung auf einen direkt beobachtbaren und dem Betrachter im allgemeinen aus der Wirklichkeitserfahrung sehr gut vertrauten Sachverhalt“ verweisen (Kap. 4.3 nach Issing (1994) S. 153). Diese Aussage führt zur Frage, auf welche gedankliche Ebene des Karteninhalts sich metaphorische Sachverhalte beziehen, auf der bestimmte Begriffe und Sachverhalte durch Metaphern ersetzt werden. Einerseits ergibt sich die gedankliche Ebene aus der vorgegebenen Struktur der jeweiligen Karte, die wiederum aus den Bedingungen und Regeln der Kartenkonstruktion hervorgehen. Andererseits resultieren die Elemente aus dem entsprechend vorgestellten und abgebildeten Realitätsausschnitt zusammen mit konventionell geprägten individuellen Vorstelllungen und verfügbarem Wissen. Es steht damit also ein umfassender Bedingungsrahmen zur Diskussion, nach dem kartographische Metaphorik zu analysieren ist. Im Folgenden sollen dazu einige Anmerkungen gemacht werden. Diese drei Ebenen fassen also Merkmale und Elemente der Kartenkonstruktion zusammen, bilden aber gleichzeitig auch den Rahmen, aus dem sich die Bedingungen kartographischer Wahrnehmung ergeben und die daher auch für die Bestimmung der Wirkung von kartographischen Metaphern von Bedeutung sein können.

Es steht damit also ein umfassender Bedingungsrahmen zur Diskussion, nach dem kartographische Metaphorik zu analysieren ist.

4.5.2 Bildliche kartographische Metaphern

Der metaphorische Aspekt kartographischer Abbildung liegt u.a. darin, dass Kartenzeichen in der Regel zwei Bedeutungsebenen angehören und zwar zum einen mittelbar einer (in der Legende) sprachlich „zugeordneten Bedeutung“ und zum anderen unmittelbar, ein im Zeichen bildlich präsentierten Gegenstand bzw. Sachverhalt. Dieses Phänomen kann quasi als ein „Metaphorisches Bildzeichen“ (vgl. Kap. 4.4.1) betrachtet werden, das in ikonischer oder symbolischer Form auf die dem Zeichen zugeordneten Bedeutung verweist. Die Erklärung für diesen metaphorischen Zusammenhang ergibt sich aus der Situation, dass Objekte oder Sachverhalte zur Abbildung in Karten in ihren Bedeutungen und in ihren graphischen Formen erheblich reduziert, abstrahiert und verkleinert werden und sie daher nicht unmittelbar, sondern mittelbar durch vereinfachte metaphorische Inhalte und Bilder vermittelt werden müssen. So führen Kartenzeichen also gedanklich über „notwendige“ (metaphorische) Umwege zu den zugrundeliegenden Begriffen und Sachverhalten und außerdem in einen verständlichen kommunikativen und wissensbildenden Zusammenhang. Dieser metaphorische Verlauf kommt kartographischen Zeichen anscheinend generell zu, so dass sich weiterführend die Frage stellt, ob die kartographische Metaphorik im Rahmen verschiedener Wahrnehmungssituationen grundsätzlich in derselben Ausprägung zum Tragen kommt. Dazu sollen der gedanklich zur Verfügung stehende Karteninhalt sowie die visuell-gedanklich zu verarbeitenden Zeichenformen näher betrachtet wird. Der metaphorische Aspekt kartographischer Abbildung liegt also darin, dass Kartenzeichen zwei Bedeutungsebenen angehören, z.B. als eine in der Legende sprachlich „zugeordnete Bedeutung“ und als ein im Zeichen „präsentiertes Phänomen“.

Dieses Phänomen bildet quasi eine bildliche Metapher, die in ikonischer oder symbolischer Form auf die dem Zeichen zugeordnete Bedeutung verweist.

Der Karteninhalt oder die Zeichenbedeutungen können unmittelbar mit Hilfe von textlichen Erläuterungen als Kartentitel oder als Zeichenerläuterungen z.B. in einer Legende angezeigt werden. Damit besteht die Möglichkeit, dass von vorneherein ein gewisses inhaltliches Verständnis für das jeweilige Kartenthema entsteht, was noch durch einen Blick auf das Kartenbild räumlich konkretisiert werden kann. Ein solcher „visuell-gedanklicher Einstieg“ führt u.a. dazu, dass Vorstellungen entstehen, die einmal das reale Raumszenarium betreffen können, aber auch das präsentierte Kartenbild in seinen graphischen und inhaltlichen Strukturen. Durch die Legende kann ein gewisses inhaltliches Verständnis für das jeweilige Kartenthema entsteht, was noch durch einen Blick auf das Kartenbild räumlich konkretisiert wird.
Da sich metaphorische Deutungen grundsätzlich auf eine angebotene Begriffs- und Sachverhaltsebene beziehen, ergeben sich die Deutungsergebnisse aus dem georäumlichen und inhaltlichen Zusammenhang des metaphorischen Zeichens mit der jeweiligen Karte. Dazu gehört die Bedeutung des Zeichens selbst, aber zum Beispiel ebenfalls die Bedeutungsstruktur seiner „räumlichen Umgebung“. Diese definiert sich aus Zeichenelementen, die in einem bestimmten visuellen Abstand zum jeweiligen metaphorischen Zeichen positioniert sind und die daher zu bestimmten gedanklichen Bedeutungsmustern führen. Es können zusätzliche räumliche Vorstellungen sein, die sich, wie oben angedeutet wurde, aus dem gedanklichen Einstieg in die Karte ergeben bzw. die u.a. ein Handlungsziel oder kontextuelle Erinnerungen betreffen. Insgesamt beziehen sich diese Deutungen also auf die bildliche und inhaltliche Struktur der Karte, auf Erscheinungen des entsprechenden Zeichens und seiner Umgebung sowie auf verfügbare und aktuelle Vorstellungen zur abgebildeten Realität und zur Situation des Kartengebrauchs, so dass sich insgesamt die Frage stellt, zu welchen gedanklichen Strukturen diese Faktoren führen und zur Metapherndeutung verwendet werden. Es treffen hier also insgesamt verschiedene Dimensionen gedanklicher Vorstellungen zusammen, so dass es nicht ohne weiteres möglich erscheint, Voraussagen über metaphorische Deutungsergebnisse in Karten zu treffen. Welcher gedankliche Zusammenhang besteht zwischen der Bedeutung eines (metaphorischen) Kartenzeichens und seiner „räumlichen Umgebung“?

Diese Deutungen beziehen sich also auf die bildliche und inhaltliche Struktur der Karte, auf Erscheinungen des entsprechenden Zeichens und seiner Umgebung sowie auf verfügbare und aktuelle Vorstellungen zur abgebildeten Realität und zur Situation des Kartengebrauchs

4.5.3 Strukturelle kartographische Metaphern

Neben dieser räumlichen und inhaltlichen Vielschichtigkeit von Zeichen und Zeichenumgebungen in Karten, wie es oben angedeutet wurde, sollte unterschieden werden, in welcher metaphorischen Form kartographische Zeichen präsentiert und gedeutet werden können. Zum einen sind Kartenzeichen räumlich bzw. georäumlich in einer Ebene platziert und damit eindeutig positioniert und durch verschiedene geometrische Beziehungen gekennzeichnet. Dabei sind diese Positionen und Relationen zum einen zwar auf reale georäumliche Daten und Relationen bezogen, bestehen zum anderen aber aus „Konstruktionsgeometrien“, die aufgrund ihrer häufig bedeutenden Vergrößerung und Verzerrung selbständige zusammenhängende visuelle Ebenen bilden, was besonders bei einigen Kartographischen Modellformen deutlich wird. Positionen und Relationen beziehen sich auf reale georäumliche Daten und Relationen, bestehen aber auch aus „Konstruktionsgeometrien“, die aufgrund ihrer häufig bedeutenden Vergrößerung gegenüber der realen Ausdehnung häufig selbständige visuelle Ebenen bilden.
Mit Hilfe der Konstruktionsgeometrien verschiedener Kartographischer Modellformen können die unterschiedlichen thematischen Datenformen sowohl geometrisch als auch inhaltlich bestmöglich wiedergegeben werden (vgl. Kap. 1 u. 2). Es handelt sich bei den Modellformen quasi um „Hilfskonstrukte“, die den zugrundeliegenden Datenformaten bzw. -eigenschaften durch strukturelle Verformungen optimal angenähert sind. Sie können von ihren Funktionen her als „strukturelle Metaphern“ gesehen werden, da mit ihrer Hilfe nicht Bedeutungen von Zeichen, sondern formale Dateneigenschaften angezeigt werden, die die zugrundeliegende Datenformen konstruktiv ersetzen. Es handelt sich damit um eine ganz spezifische Form der kartographischen Metaphorik, die besonders durch den räumlichen Aspekt kartographischer Abbildungen geprägt ist. Bei kartographischen Modellformen handelt es sich um „Hilfskonstrukte“, die den zugrundeliegenden Datenformaten bzw. -eigenschaften durch strukturelle Verformungen optimal angenähert sind. Sie können von ihren Funktionen her als „strukturelle Metaphern“ bezeichnet werden,
Die Funktion Struktureller Metaphern, das heißt also Kartographischer Modellformen, ergibt sich besonders daraus, dass an die Positionierung bzw. Verbreitung von Zeichenbedeutungen in der Kartenebene und ihre Verknüpfungen bestimmte visuell-strukturelle Anforderungen gestellt werden, die nicht durch die geometrischen und inhaltlichen Ausgangsformen der zugrundeliegenden Daten erreicht werden können. So ergibt sich das Erfordernis, dass eine in der Kartenebene stetig verteilte Punktmenge eines Sachverhaltes so verändert wird, dass diese optisch in Schritte (Stufen) diskretisiert wird und damit im Rahmen der daraus entstehenden Einheiten vergleichend und gegebenenfalls quantitativ analysiert werden kann („Diskrete Niveauflächen“ oder „Gestufte Gittersignaturen“). Oder es ist aus visuellen, den gedanklichen Zugriff auf Informationen unterstützenden Gründen angezeigt, den ebenen Eindruck einer Sachverhaltsfläche in eine plastische bzw. dreidimensionale Form zu überführen, also eine abstrakte inhaltlich Oberfläche in Form einer natürlichen Geländeoberfläche anzulegen („Isarithmen“ oder „Schattierungsfläche“). Weiterhin kann die Verknüpfung von inhaltlichen Werten zu diagrammatischen Konstruktionen führen, die als selbständige Szenerien dem optischen Duktus einer typischen Karte kaum noch entsprechen („Standortdiagramme“ oder „Flächendiagramme“). Die angedeuteten Strukturen „Kartographischer Modellformen“ führen also zum Teil zu hochabstrakten konstruktiven Formen, die zum Teil zu den vorgegebenen geometrischen Merkmalen im Widerspruch stehen bzw. ihnen kaum noch zugeordnet werden können. Ihr metaphorischer Charakter zeigt sich darin, dass die Auswahl dieser Formen nicht nur auf die zugrundeliegenden Begriffe oder Sachverhalte ausgerichtet ist, sondern vielmehr zusätzlich auf spezifische Prozessformen der Bedeutungsfindung und damit auf die Förderung des Vorgangs der Informationsgewinnung und Wissensbildung selbst. Die Funktion Struktureller Metaphern ergibt sich daraus, dass an die Positionierung bzw. Verbreitung von Zeichenbedeutungen und ihre Verknüpfungen visuell-strukturelle Anforderungen gestellt werden, die nicht durch die geometrischen und inhaltlichen Ausgangsformen der zugrundeliegenden Daten erreicht werden können.

Der metaphorische Charakter von Strukturellen Metaphern zeigt sich darin, dass die Auswahl von Formen nicht nur auf die zugrundeliegenden Begriffe oder Sachverhalte ausgerichtet sind, sondern vielmehr auf spezifische Prozessformen der Zeichendeutung.

4.5.4 Metaphorischer Charakter kartographischer Zeichen

Ein besonderer Aspekt kartographischer Metaphorik zeigt sich darin, dass die Bedeutung von Kartenzeichen in einer Legende gekennzeichnet werden kann, so dass die gedankliche Bedeutungsfindung mit Hilfe sprachlicher Begriffe oder Sachverhalt als einführende oder begleitende Unterstützung erfolgt. Die Deutung von Zeicheninhalten kann damit im Wahrnehmungsverlauf durch begleitende textliche Erläuterungen gedanklich vorbereitet werden und führt dazu, dass gedanklich (noch) verfügbare Bedeutungen optisch angebotenen Zeichenszenen sukzessiv visuell zugeordnet werden. Die Deutung von Zeicheninhalten im Wahrnehmungsverlauf wird häufig u.a. durch textliche Erläuterungen in der Legende gedanklich vorbereitet.
Unter Berücksichtigung dieser situativen Bedingungen können zur Beurteilung metaphorischer Eigenschaften von kartographischen Zeichen mindestens drei Abbildungscharaktere unterschieden werden, die bei der Anlage von kartographischen Metaphern eine Rolle spielen (vgl. Teil A, Kap. 4.1.):
  • inhaltliche Zeichenstruktur: gedankliche Beziehung zwischen bildlichen Zeichenelementen und bildlich oder sprachlich vorgestellten Zeichenbedeutung. Die Zeichen können ikonisch, symbolisch oder indexikalische auf die repräsentierte Bedeutung des Zeichens verweisen. Bei ikonischen oder symbolischen Zeichen wird beispielsweise mit Hilfe von abgebildeten Gegenständen oder Symbolzeichen („Theatermaske“) eine in der Regel konventionell geprägte Vorstellung des entsprechend repräsentierten Begriffs oder Sachverhalts herbeigeführt („Kulturelle Einrichtung“).
  • optische Zeichenstruktur: „reizbedingte“ Beziehung zwischen „Graphikrelationen“ und vorgestellten begrifflichen („Ordnungs-) Relationen“ . Die visuelle Ähnlichkeit zeigt sich also zwischen „optischen“ Zeichenrelationen („eine Reihe von Helligkeitsabstufungen“) und zugeordneten Bedeutungsstrukturen (Abstufung „wenig, mittel, viel“).
  • arbiträre Zeichenstruktur: willkürliche bzw. nicht festgelegte Beziehung zwischen Zeichen und Zeichenbedeutung. Ihr kommt damit definitionsgemäß keine explizite strukturelle oder bedeutungsbezogene Funktion zu, wobei sie allerdings häufig mit strukturbildenden optischen Zeichenmerkmalen kombiniert wird. Diese Abbildungsform ist dann angemessen, wenn Zeichenbedeutungen z. B aufgrund hoher Abstraktion oder geringer Konventionalität nicht bildlich zu definieren sind oder bildliche Zeichen aufgrund hoher Elementdichte im Kartenbild nicht graphisch sinnvoll positioniert und angeordnet werden können.
  • Gedankliche Beziehung zwischen bildlichen Zeichenelementen und bildlich oder sprachlich vorgestellten Zeichenbedeutung.

 

  • reizbedingte Beziehung zwischen Graphikrelationen und vorgestellten begrifflichen Ordnungsrelationen.

 

  • arbiträre (willkürliche) bzw. nicht festgelegte Beziehungen zwischen Zeichengraphik und Zeichenbedeutung.
Aus den drei Abbildungscharakteren ergeben sich unterschiedliche Ausprägungen metaphorischer Eigenschaften wobei die inhaltlichen und optischen Merkmale zu einer visuell-gedanklichen bzw. reizbedingten Bedeutungszuordnung führen. Arbiträre Zeichenstrukturen müssen allerdings an dieser Stelle nicht diskutiert werde, da ihren Ausprägungen vor allem im Zusammenhang mit übergeordneten gestalterischen Faktoren des Kartenbildes und nicht mit der Modellierung von Zeichenbedeutungen ein Stellenwert zukommt.

Mit der „inhaltlichen Zeichenstruktur“ werden bildliche Szenen oder Symbolzeichen graphisch dargestellt. Sie bilden die Voraussetzung, um einen visuell metaphorischen Zusammenhang zwischen einer Begriffs- und Sachverhaltsebene und einer zugeordneten bildlichen Metapher herzustellen. Konkrete Zeichenmerkmale sind Konturen, Schattierungen, Texturierungen, Farbgebung sowie Proportionen und Perspektive (vgl. auch Kap. 4.1.2), die wiederum durch Hervorhebungen, Kontrastierungen und Anordnungen strukturiert werden und damit das Interesse und den Blickverlauf beeinflussen. Dieses graphische Angebot kommt bei (metaphorischen) Kartenzeichen allerdings nur in sehr geringem Maße zum Tragen, da die zur Verfügung stehende Kartenfläche, wie schon angedeutet wurde, in der Regel sehr stark begrenzt ist. Andererseits bieten die genannten Merkmale die Möglichkeit, beliebige sichtbare Phänomene darzustellen und damit Kartenzeichen in Form von Metaphern gezielt visuell-gedanklich auf entsprechende Begriffe oder Sachverhalte auszurichten. Insgesamt können die optische Minimierung und die daraus resultierende Einfachheit von Zeichen zu einer raschen Identifizierung und effektiven gedanklichen Verarbeitung im metaphorischen Deutungsprozess führen.

 

 

 

Mit „inhaltlichen Zeichenmerkmalen“ können bildliche Szenen oder Symbolzeichen differenziert werden. Sie sind können den Zusammenhang zwischen einer Begriffs- und Sachverhaltsebene und einer zugeordneten bildlichen Metapher herzustellen.

Die optische Minimierung und die Einfachheit von Zeichenführen zur raschen Identifizierung und effektiven Verarbeitung im metaphorischen Deutungsprozess.

Mit der „optischen Zeichenstruktur“ werden graphische Beziehungseigenschaften kategorial gegliedert und ähnlichen begrifflichen Relationen gegenübergestellt. Sie werden so zur strukturellen Gliederung von Zeichenbedeutungen verwendet (vgl. dazu „Graphische Variablen“; Tainz 2001). Die graphischen Beziehungseigenschaften werden visuell als optische Reizunterschiede empfunden, die sich auf die Kategorien Gleichheit, Ähnlichkeit und Verschiedenheit zurückführen lassen. Die Kategorien zeigen sich in verschiedenen Reizbeziehungen graphischer Relationen als Form, Farbe, Richtung, Farbsättigung, Feinheit, Zergliederung, Helligkeit und Größe. und können nach unterschiedlichen Skalierungen („kategorialen Relationen“) bewertet werden, wie beispielsweise Form, Farbe und Richtung als sog. Nominalskalierung, die keine natürliche Rangfolge aufweist. Oder Farbsättigung, Feinheit, Zergliederung und Helligkeit als „Ordinalskalierung“, der eine bestimmte Rangfolge zukommt. Da Ausprägungen von Begriffen oder Sachverhalten in vergleichbarer Form skaliert werden, lassen sich graphische Kategorien gleichwirkenden begrifflichen Kategorien gegenüberstellen. Diese graphischen Kategorien ermöglichen damit unmittelbar die „spontane“ visuelle Deutung von begrifflichen Strukturen und zwar in einer effektiven und in der Regel eindeutigen Form. Mit „optischen Zeichenmerkmalen“ werden graphischen Beziehungseigenschaften kategoriale Größenrelationen zugeordnet und ähnlichen begrifflichen Relationen gegenübergestellt.

Metaphorische Kartenzeichen ermöglichen mittelbar die bildliche Deutung von entsprechenden begrifflichen Strukturen und zwar in einer effektiven und in der Regel eindeutigen Form.

Damit lassen sich „optische Zeichenstrukturen“ nicht in einen metaphorischen Zusammenhang stellen, da deren formale Strukturen unmittelbar, also nicht mit Hilfe bildlicher (metaphorischer) Kennzeichnungen, durch „visuellen Zugriff“ deutbar sind. Aufgrund der häufig über das ganze Kartenbild verteilten Zeichenelemente eines Kartenthemas (vor allem in sog. thematischen Karten) können diese Strukturen zur gedanklichen Konzeptbildung großräumig, beispielsweise kategorial als „Folgen“ oder „Mengen“ sowie räumlich als „Muster“ oder „Cluster“, visuell-gedanklich analysiert und weiterverarbeitet werden, wobei der Bedeutungsaspekt des Kartenthemas durchaus metaphorisch, z.B. mit Hilfe von Symbolfarben, gekennzeichnet werden kann. „Optische Zeichenstrukturen“ können nicht metaphorisch gedeutet werden.

Ein Kartenthema kann auf der Basis von optischen Zeichenstrukturen als „Folgen“ oder „Mengen“ sowie räumlich als „Muster“ oder „Cluster“, visuell-gedanklich analysiert werden.

Worin liegt nun zusammengefasst die Bestimmung einer „kartographischen Metaphorik“ oder welche Bedingungen, die von einem metaphorischen Konzeptrahmen ausgehen, führen zu einer möglichen Informationsableitung und Wissensbildung mit Hilfe metaphorischer Kartenzeichen bzw. Zeichenstrukturen? So wie der Metapherngebrauch in Karten sich anbietet, wird zum einen aufgrund des begrenzten Platzes in der Kartenfläche eine eigenständige (metaphorische) Bedeutungsebene graphisch angelegt, in dem diese die zu präsentierenden Begriffe oder Sachverhalte in Form von eigenständigen, inhaltlich reduzierten metaphorischen Elementen ikonisch (funktional) oder symbolisch vertritt. Diese Elemente können aufgrund des reduzierten Bedeutungsumfangs und ihrer optischen Einfachheit im raschen visuellen Zugriff und mit geringem Aufwand visuell-gedanklich erfasst werden. Dies führt dann aufgrund gedanklich verfügbarer oder konventionell geprägter Vorstellungen zur metaphorischen Deutung der durch die Metapher vertretenden Zeichenbedeutung. Die Funktion von metaphorischen Zeichen liegt also vor allem in der „mittelbaren“ Unterstützung von gedanklichen oder medialen Prozessen, in dem bestimmte Objekte oder Sachverhalte visuell und gedanklich eingebunden sind und die gezielt durch adäquate Metaphern identifiziert und verarbeitet werden. Die Funktion von Zeichen als Metaphern:

  • Unterstützung von gedanklichen oder medialen Prozessen;
  • gedankliche Aufnahme und Verarbeitung eines vorgestellten Zusammenhangs der Realität;
  • angemessene Identifizierung und Verarbeitung von Sachverhalten.
Die aufgeführten kartographischen Kriterien wurden zum großen Teil aus den in dieser Arbeit diskutierten Konzepten zur sprachlichen und bildlichen Metaphorik abgeleitet. Besonders wird mit den aufgeführten Kriterien eine „unmittelbare und individuelle Wirkung von metaphorischen Eigenschaften“ betont, die zeigen, dass bei einer Übertragung auf kartographische Bedingungen, dies durchaus zu einer attraktiven und effektiven Kartenwahrnehmung und -kommunikation führen kann. Mit den aufgeführten Kriterien werden besonders „individuell und situationsspezifisch“ wirkende Funktionen der Metaphorik betont.