B 4.3 Sprachliche Metaphern

4.3 Sprachliche Metaphern

Es existiert noch keine allgemein anerkannte Erklärung für den unbewussten gedanklichen Mechanismus von sprachlichen Metaphern. So wird u.a. naheliegend vermutet, dass im Rahmen eines metaphorischen Vorgangs zu einem Satzinhalt, der nur mit einem hohen gedanklichem Aufwand zu verstehen ist, aufgrund von Konventionen oder individuellen Erfahrungen sprachliche Vergleichskonstrukte gedanklich zur Verfügung stehen, die mit geringerem Verarbeitungsaufwand verstanden werden können und daher unbewusst (automatisch) zum Strukturverstehen herangezogen werden (vgl. Christmann 2013; Gibbs 2008). Im Rahmen eines metaphorischen Prozesses wird ein Satzinhalt, der nur mit einem hohen gedanklichem Aufwand zu verstehen ist, mit Hilfe von Metaphern aufgrund von Konventionen oder individuellen Erfahrungen  automatisch zum Strukturverstehen herangezogen.
Aufgrund dieser oder weiterer gedanklicher Mechanismen, kommt sprachlichen oder auch bildlichen Metaphern u.a. im alltagssprachlichen, lernsprachlichen, poetischen und zunehmend in wissenschaftlichen Bereichen ein hoher Stellenwert zu. Für den gezielten (bewussten) Einsatz von Metaphern in Form von Bildlichen Analogien wird von Issing (1994) folgendes beschrieben: Metaphern kommt im alltagssprachlichen, lernsprachlichen, poetischen und zunehmend in wissenschaftlichen Bereich ein hoher Stellenwert zu.

„Mittels metaphorischer, d.h. übertragender Darstellung von direkt beobachtbaren und dem Betrachter im allgemeinen aus der Wirklichkeitserfahrung sehr gut vertrauten Sachverhalten verweisen bildliche Analogien auf nicht direkt dargestellte – vielleicht gar nicht oder nur schwer direkt darstellbare  – Strukturen, Relationen, Funktionen oder Prozesse. Der Betrachter soll aus realitätsnahen Bildern Bedeutungszusammenhänge entnehmen und diese auf nicht direkt dargestellte, aber intendierte Sachverhalte übertragen.“ (S. 153)

Der Betrachter soll aus realitätsnahen Bildern Bedeutungszusammenhänge entnehmen und diese auf nicht direkt dargestellte, aber intendierte Sachverhalte übertragen.
Der Begriff „Metapher“ wird häufig im Zusammenhang mit allgemeinen Sprachanwendungen genannt. Typische Beispiele für Metaphern sind gegenständliche und allgemein bekannte Objekte und Begriffe, deren sprachlich-gedanklichen Verknüpfungen zu abstrakten oder überraschenden Bedeutungen führen, die eine strukturelle Ähnlichkeit in der Aussage mit dem zu metaphorisierenden Begriff oder Sachverhalt aufweisen, wie etwa „Mauer des Schweigens“, „auf einer Erfolgswelle reiten“, oder „Kaderschmiede“. Sprachliche Metaphern weisen auf vergleichbare Bedeutungen hin, wie etwa „Mauer des Schweigens“, „auf einer Erfolgswelle reiten“, oder „Kaderschmiede“.
Für die Beurteilung der Wirkung sprachlicher Metaphern im Rahmen von Kommunikationssituationen oder Wissenserwerbsprozessen ist es sinnvoll, auch weitere und schon in der Antike systematisch angewandte Text- oder Redeformen zu betrachten. So werden Metaphern häufig im Verbund mit sogenannten „sprachlichen Figuren“ verwendet, über deren sprachliche Einordnung oder Wirkung allgemein wenig bekannt ist. Diese Stilfiguren oder „Tropen“, zu denen eben auch die Metapher zählt, haben einen großen Einfluss auf das Verstehen von Texten und damit „unmittelbar“ auf den textlichen Übertragungsprozess, aber auch „mittelbar“ auf die Möglichkeit der Wissensgewinnung. Interessant ist dazu die Frage, inwieweit allgemein die verschiedenen Formen der Tropen ins Bildliche übertragen werden können und damit gegebenenfalls auch für kartographische Übertragungsprozesse von Interesse sind.  Metaphern werden häufig im Verbund mit „sprachlichen Figuren“ genannt. Diese Stilfiguren oder „Tropen“, zu denen auch die Metapher zählt, können einen großen Einfluss auf das Verstehen von Texten und damit „unmittelbar“ auf den textlichen Übertragungsprozess nehmen.

4.3.1 Metaphern und Tropen

Der Begriff Tropus steht für eine bestimmte „Gruppe sprachlicher Stilmittel“, die besonders in der Rhetorik zur Anwendung kommt und vor allem in den Literatur- und Sprachwissenschaften untersucht wird. Tropen sind im Rahmen der altgriechischen und lateinischen Sprachkultur entstanden. Mit ihnen  wird ein sprachlicher Ausdruck durch einen anderen ersetzt oder ergänzt, der in der Regel einem anderen Bedeutungsfeld zugehört (vgl. z.B. Strub 2004). Neben diesen „sprachlichen Figuren“ (Tropen) werden in der Rhetorik unter anderem auch „phonologische Figuren“ mit Wörtern gleicher lautlicher Gestalt als sogenannte „Alliteration“ unterschieden, wie z.B. bei „Stabreimen“ mit Betonung gleicher Wortanfangslaute, sowie „syntaktische Figuren“ bei Sätzen mit ähnlicher Struktur, die als sogenannter „Parallelismus“ eine besondere inhaltliche Zusammengehörigkeit ausdrücken sollen (z.B. „ich bin arm, du bist reich“). Diese Stilmittel können einzelne Worte oder Gruppen von Worten betreffen und als „Redefiguren“ oder als „Gedankenfiguren“ bestimmte zusätzliche Wirkungen erzielen. Tropen sind im Rahmen der altgriechischen und lateinischen Sprachkultur entstanden. Mit ihnen wird ein sprachlicher Ausdruck durch einen anderen ersetzt oder ergänzt, der z.B. einem anderen Bedeutungsfeld zugehört.

Tropen können einzelne Worte oder Gruppen von Worte betreffen.

Tropen allgemein und damit auch Metaphern haben u.a. die Funktion, die in der Alltagssprache oder der alltäglichen „Normalrede“ häufig  auftretenden Negativ-Wirkungen durch zu große Länge, häufige Wiederholungen, Gleichförmigkeit, Unpassentheit, Unverständlichkeit und Unanschaulichkeit der Rede oder des Ausdrucks auszugleichen. Durch diesen Ausgleich von Negativwirkungen soll Aufmerksamkeit erregt und die Bereitschaft des Rezipienten gesichert werden, den zu vermittelnden Text effektiv und vollständig aufzunehmen.

Zu der großen Anzahl von in den Literaturwissenschaften unterschiedenen Tropen  gehören neben der Metapher folgende „rhetorischer Figuren“ (vgl. Ruwet 1983):

Tropen und Metaphern haben u.a. die Funktion, die in der Alltagssprache auftretenden Negativ-Wirkungen der Rede oder des Ausdrucks auszugleichen.
  • Metonymie sind sprachliche Ausdrücke, die nicht in ihrer eigentlichen wörtlichen Bedeutung, sondern in einem nichtwörtlichen, übertragenen Sinn gebraucht werden, z.B. „Böll lesen“ (Ursache für Wirkung), „ein Glas trinken“ (Träger für Inhalt) oder „Brüssel entscheidet“ (Ort für Institution);
  • Synekdoche sind Begriffe, die durch einen Begriff aus demselben semantischen Feld mit engerer oder weiterer Bedeutung ersetzt werden, z.B. der „Deutsche“ für die „Deutschen“ (Singular für Plural), „Holland“ für die „Niederlande“ (Teilgebiet für ein Land);
  • Litotes sind Ausdrücke, die durch Verneinung des Gegenteils zur Bekräftigung des Gemeinten bezeichnet werden, z.B. „nicht wenig“ (viel),  „nicht ganz klein“ (groß);
  • Hyperbel: Ersetzung des eigentlichen Ausdrucks durch eine übertreibende Umschreibung, z.B. hyperbolisch: „todmüde“ oder metaphorisch-hyperbolisch: „Herz aus Stein“;
  • Ironie: Das Gegenteil sagen, von dem, was gemeint ist, z.B. „du bist mir ja ein schöner Held!“ (Feigling);
  • Synonymie: Häufung gleichbedeutende oder annähernd gleichbedeutende Wörter, z.B. „große, weite Erde“ (Bedeutung der Erde), „vermischt, wie Kraut und Rüben“ (chaotisch).
Tropen, als systematische Sammlungen, können z.B. bei Volkmann (1874) sowie  Gizewski (1999) und Menge (1990) nachverfolgt werden. Es existieren systematische Sammlungen von Tropen.

4.3.2 Rhetorische und gedankliche Form von Metaphern

Bei den verschiedenen Formen von Tropen handelt es sich nicht allein um rhetorische Stilfiguren“, sondern um Text- und Sprachmodifikationen, die sich auf die verschiedensten Bereiche der Textkonstruktion und sprachlichen Informationsvermittlung beziehen. Dieser umfangreiche Fundus  an Sprachkonstrukten und Formen der Sprachvermittlung führt u. a. dazu, dass die Metapher, als markante Gruppe von Tropen, schon sehr früh thematisiert wurde und heute herausragendes Thema u.a. der kultur- und sprachwissenschaftlichen Forschung ist. Darüber hinaus wird in verschiedenen „angewandten“ Wissenschaftsdisziplinen untersucht, inwieweit der Gebrauch von Metaphern im Rahmen von Fachsprachen sinnvoll ist: Im Rahmen von verschiedenen angewandten Wissenschaftsdisziplinen wird untersucht, inwieweit der Gebrauch von Metaphern im Rahmen von Fachsprachen sinnvoll ist:
„[…] sind die Metaphern trotz eines umstrittenen Metaphernverbots in den Wissenschaftssprachen auch da unvermeidlich und leisten nicht nur für den Ausdruck sondern auch für das Denken unentbehrliche Dienste“ (Brezina 2015 nach Ickler 1997).
Nach Eckardt (2004, S.222) stellt „Aristoteles […] die metaphora das ´uneigentliche´ (´fremde´) Wort, dem ´eigentlichen´ Wort als dem ´vertrauten´ gegenüber.“ (vgl. Fuhrmann (1994): Aristoteles, Kapitel 21, 1457b). Mit diesem Ansatz einer „antiken Rhetorik-  und Poetiktheorie“, die im Anschluss nach Aristoteles vor allem von dem Rhetoriker Marcus Fabius Quintilian im ersten Jahrhundert und danach im Mittelalter und in der Renaissance formuliert  wurde, wird die Metapher als ein vorwiegend „sprachliches Phänomen“ gesehen, das ästhetischen Zwecken dient und somit vor allem in poetisch-rhetorischen Texten anzutreffen ist. Im Bereich der „antiken Rhetorik-  und Poetiktheorie“ wird die Metapher als ein vorwiegend sprachliches Phänomen gesehen, dass ästhetischen Zwecken dient.
Bei Aristoteles aber auch zum Teil in der Neuzeit werden die verschiedenen Metapherntheorien oder der allgemeine Metapherngebrauch vor allem durch die Aufzählung und Erläuterung von Metaphernbeispielen beschrieben (vgl. z.B. Konersmann 2015). Erst in neuester Zeit ist eine zunehmend theoretisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Metaphernbegriff und seinem Stellenwert für die verschiedenen Bereiche der Gesellschaft und Wissenschaft festzustellen. Dies gilt allerdings noch nicht für die folgenden zwei, aus der antiken Rhetorik abgeleiteten, sprachtheoretischen Ansätze, Erst in letzter Zeit ist eine zunehmend theoretisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Metaphernbegriff und seinem Stellenwert für die verschiedenen Bereiche der Gesellschaft und Wissenschaft festzustellen.
  • dass im Fall einer metaphorischen Äußerung zwei Vorstellungen zusammen aktiv sind, sie also miteinander agieren als sog. „Interaktionstheorie“ und
  • dass es sich bei der Metapher lediglich um eine „Ersetzung“ oder eine „Übertragung“ handelt, die anstelle des wörtlichen Ausdrucks verwendet wird als sog. „Substitutionstheorie“.
Zwei sprachtheoretische Metaphernansätze aus der Antike:

  • Interaktionstheorie
  • Substitutionstheorie
Besonders die Substitutionstheorie, die auf Cicero und Quintilian zurückgeht, wurde vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in erweiterter Form diskutiert. Allerdings wird argumentiert, dass dabei insgesamt die Wirkung und Einflussnahme der „metaphorischen Formung“ auf die Entwicklung und Anwendung der „Rede“ und von Sprachen erheblich unterschätzt wird. Daraus hat sich folgerichtig zuerst bei Weinrich (1958), dann bei Max Black (1962) und weiter mit der „Interaktionstheorie“ bei Lakoff u. Johnson (1980, dt. 2014), durch die Berücksichtigung „kognitiver Ansätze der Metaphorik“, die Sicht auf ein erheblich erweitertes Funktions- und Wirkungsfeld von Metaphern ergeben. Das bedeutet, dass beim Gebrauch von Metaphern vor allem gedankliche und nicht nur sprachliche Faktoren eine Rolle spielen. Bei Weinrich (1958) und bei Max Black (1962) und  mit der „Interaktionstheorie“ bei Lakoff u. Johnson (1980, dt. 2014) hat sich mit dem kognitiven Ansatz der Metaphorik die Sicht auf ein erheblich erweitertes Funktions- und Wirkungsfeld von Metaphern ergeben.
Metaphern dienen nach Lakoff u. Johnson der Erklärung und dem besseren Verständnis abstrakter oder neuer Sachverhalte. Sie können aufgrund “ihres kreativen Potentials Denkmuster umstrukturieren und auf diese Weise zu neuen Sichtweisen führen und darüber hinaus bestimmte Aspekte eines Konzeptes hervorheben bzw. ausblenden und damit unterschiedliche Perspektiven auf einen Sachverhalt eröffnen“ (Schnadwinkel 2002, S.26). Unter gedanklichem Konzept wird die Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks verstanden, der  gedanklich entwickelt wird oder schon als fertiges Konstrukt zur Verfügung steht. Danach geht die sogenannte „kognitive Metapherntheorie“ über die Beschreibung sprachlicher Phänomene hinaus, denn mit der Annahme komplexer kognitiver Konzepte oder Modelle, die aus einem System zusammenhängender konzeptueller Metaphern bestehen, leistet sie für die Kognitionswissenschaften einen wichtigen Beitrag zur Erfassung kognitiver Strukturen der sprachlichen Wissensgewinnung. Jäkel (1997) definiert „Konzeptuelle Metaphern“ als eine strukturelle Verbindung von zwei verschiedenen konzeptuellen Erfahrungsbereichen des Denkens und Handelns („Domänen“), von denen die eine als „Zielbereich“ und die andere als „Ursprungsbereich“  der metaphorischen Übertragung fungieren. Auf diese Weise werden Denkstrukturen des Zielbereichs als Denkstrukturen des Ursprungsbereiches verstanden. Die metaphorische Übertragung findet auf der konzeptuellen Ebene statt und führt dann auf der sprachlichen Ebene zu „konventionell-metaphorischen Redewendungen“. Die sog. „kognitive Metapherntheorie“ geht weit über die Beschreibung sprachlicher Phänomene hinaus:

Mit der Annahme komplexer kognitiver Modelle, die aus einem System zusammenhängender konzeptueller Metaphern bestehen, leistet die kognitive Metapherntheorie für die Kognitionswissenschaften einen wichtigen Beitrag zur Erfassung gedanklicher Strukturen der Wissensgewinnung.

„Der Zielbereich wird von dem Begriff abgedeckt, der in der jeweiligen Aussage verwendet wird und der mit dem Ursprungsbereich verknüpft ist. Die Verknüpfung erfolgt dabei über die Metapher, die Teile des Ursprungsbereichs auf einen Zielbereich projiziert“ (Hager 2013, S. 19). Es werden also aus einem „Ursprungsbereich“, der als Vorstellungsschema aus leicht zugänglichen Mustern von Erfahrung entstanden ist, bestimmte Aspekte, wie etwa Merkmale, Elemente oder Beziehungen abgeleitet und durch konventionalisierte metaphorische Übertragung auf bestimmte ähnliche Aspekte des abstrakteren „Zielbereichs“ übertragen. Danach werden durch die abgeleitete Metapher bestimmte Aspekte vom Ursprungs- und Zielbereich gedanklich integrierend behandelt, so dass diese zu einem neu gebildeten Konzeptbereich führen. Es werden also aus einem „Ursprungsbereich“, der aus leicht zugänglichen Vorstellungsschemata besteht, bestimmte Merkmale, Elemente oder Beziehungen abgeleitet und durch konventionalisierte metaphorische Zuordnung auf bestimmte ähnliche Aspekte des abstrakteren „Zielbereichs“ übertragen
An einem bekannten Beispiel soll dieser theoretisch dargestellte Zusammenhang verdeutlicht werden: Es werden z.B. zwei Formen von Metaphern unterschieden: Eine Konzeptuelle  Metapher „Zeit (Zielbereich) ist Geld (Ursprungsbereich)“, in der zwei Konzepte in Beziehung gestellt werden, die zum Teil ähnliche Merkmale aufweisen. Aus dieser konzeptuellen Beziehung werden dann verschiedene sprachliche Metaphern abgeleitet, wie beispielsweise „Zeit verschenken“, „Zeit sparen“, „Zeit verschwenden“. Das heißt, dass die Ableitung von sprachlichen Metaphern aus den entsprechenden kognitiven  Metaphernkonzepten nicht automatisch erfolgt, sondern dass hier jeweils eine Erweiterung des konzeptuellen Metaphernkonzeptes vorausgesetzt wird. Insofern und aus weiteren Gründen kann das konzeptuelle Modell von Lakoff u. Johnson zwar einerseits erkenntnistheoretisch oder sprachwissenschaftlich sinnvoll analysiert und modelliert werden und z. B. für theoretische Grundüberlegungen zur Etablierung von fachlichen Metaphorikansätzen Verwendung finden. Andererseits zeigt sich aber auch, dass der unmittelbare Vorgang der Metaphernbildung, auch in den unterschiedlichen Anwendungsgebieten, nicht zwangsläufig nach diesem Ansatz verlaufen wird. Beispiele zu Metaphern der Kognitiven Metapherntheorie:

Konzeptuelle  Metapher: „Zeit (Zielbereich) ist Geld (Ursprungsbereich)“, in der zwei Konzepte in Beziehung gestellt werden, die ähnliche Merkmale aufweisen.

Sprachliche Metaphern werden dann aus dieser konzeptuellen Beziehung abgeleitet, wie etwa „Zeit verschenken“, „Zeit sparen“, „Zeit verschwenden“.

 

Obwohl dieser theoretische Ansatz schon relativ alt ist, wird er auch heute noch in der einschlägigen Literatur indirekt oder aber auch gezielt diskutiert und weiterentwickelt. Ein großer Stellenwert kommt den Funktionen zu, nach denen Metaphern entstanden sind oder sich in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen entwickeln. Dies gilt besonders für das umfassende Gebiet der „digitalen Technologie“, also etwa für den Begriffsapparat klassischer Programmiersprachen, heute aber vor allem für Prozesse und Bereiche, die digital gesteuert werden bzw. in die digitale Technologien integriert sind und dies besonders in Verbindung mit Techniken und Kommunikationsformen des Internets. Darüber hinaus haben sich für das Internet allgemeine und fachbezogene Begriffsebenen entwickelt, für deren Verständnis und Übermittlung besonders Metaphern eingesetzt werden (vgl. Schnadwinkel 2002; Steffen 2006). Insofern haben sich auch Zusammenhänge zwischen bildlicher Präsentation und Kommunikation sowie ihrer elektronischen Übertragung ergeben, in denen Metaphern eine große Rolle spielen. Metaphern haben im Bereich der digitalen Technologie für Prozesse und Bereiche, die digital gesteuert werden, besonders aber für Techniken und Kommunikationsformen des Internets einen hohen Stellenwert.

4.3.3 Funktion und Wirkung von Metaphern

Wie schon angedeutet wurde, wird von der (sprachlichen) Metaphorik in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und alltagssprachlichen Bereichen zunehmend Kenntnis genommen. Dies resultiert unter anderem daraus, dass sich heute Fragestellungen, Aufgaben, Methoden und Prozesse, die in diesen Disziplinen untersucht werden, häufig komplexer darstellen und zusätzlich aufgrund ihrer digitalen und elektronischen Einbindung schwerer zu verstehen bzw. zu kommunizieren sind. Beim Gebrauch von Metaphern in diesen Bereichen, wird gedanklich und sprachlich auf zugänglichere und verständlichere Wissensbereiche, wie etwa auf elementare biologische, meteorologische oder räumliche Sachverhalte ausgewichen und damit die Bedeutungen der Sprachkonstrukte aus den weniger gut zugänglichen Wissensbereichen durch Metaphern ersetzt. Der Metapherngebrauch resultiert u. a. daraus, dass sich heute Fragestellungen, Aufgaben, Methoden und Prozesse, die in einigen Wissenschaftsdisziplinen untersucht werden, häufig komplexer darstellen als früher und aufgrund ihrer digitalen und elektronischen Einbindung schwerer zu verstehen bzw. zu kommunizieren sind.
Fundierte Ausführungen zu Funktionen und Wirkungen von Metaphern lassen sich aus der umfangreichen Literatur und damit den darin häufig konstituierten theoretischen Ansätzen erst in neuerer Zeit ableiten. Die Spanne der diskutierten Ansätze reicht von der Unterscheidung von „unbewusst“ und „bewusst“ gebrauchten Metaphern, von Metaphern, die „verblasst“ sind („tote Metaphern“), aber in der Alltagssprache als „Redensarten“ weiter bestehen (z.B. „faule Ausrede“), von Metaphern, die notwendig sind, weil es in der Alltagssprache dafür kein eigenes Wort gibt (z. B. „Buchrücken“) oder nach Blumenberg (1997) „absolute Metaphern“, die als „Grundbestände der philosophischen Sprache“ anzusehen sind. Damit verbunden sind Ansätze der Metaphernforschung, wie z.B. Sichtweisen, die die Metaphorik mehr aus „pragmatischer Sicht“ (Bourget et al. 2006) und aus „sozialer Sicht“ (Junge 2010) verstehen oder bei Eckardt  (2004), die der Metaphorik eine erhebliche „Entwicklungsdynamik“ zugesteht. Häufig sind diese Ansätze mit einer Kritik am „kognitiven Ansatz“ von Lakoff u. Johnson verbunden. Bei Skirl (2009) wird die Metaphorik mit dem sogenannten „Emergenz-Begriff“ in Verbindung gebracht (vgl. auch Kap. 4.3.4). Das bedeutet, dass die Bedeutungszuweisung („ das Bedeutungsverstehen“) bei  einer  überführten Metaphernstruktur mit gegebenenfalls nicht einsehbaren Eigenschaften aus einer bereits bestehenden Struktur, in Abhängigkeit von der sprachlichen Kompetenz, beschränkt oder limitiert („restringiert“) sein kann, also gegebenenfalls nicht verstanden wird. Die Spanne diskutierter Ansätze der Metaphorik betrifft u.a. die Unterscheidung

  • von „unbewusst“ und „bewusst“ gebrauchten Metaphern,
  • von Metaphern, die „verblasst“ sind („tote Metaphern“), aber in der Alltagssprache als „Redensarten“ weiter bestehen,
  • von Metaphern, die notwendig sind, weil es in der Alltagssprache dafür kein eigenes Wort gibt (z. B. „Buchrücken“) oder
  • „absolute Metaphern“, die als „Grundbestände der philosophischen Sprache“ gelten.
Da sich die meisten aktuellen Metapherntheorien in ihren Ausgangspositionen auf die Metaphernkonzepte- und Systeme von Lakoff u. Johnson beziehen, sollen im Folgenden, in Umgehung des aktuellen Diskussionsstandes und zum besseren Verständnis der Funktion und Wirkung von Metaphern, drei wichtige Gruppen der Metaphorik nach diesen Autoren skizziert werden (vgl. dazu auch Schnadwinkel 2002). Dazu werden als Grundlage „metaphorische Konzeptbereiche“ vorgestellt und zwar „räumliche Metaphern“, „ontologische Metaphern“ und „strukturelle Metaphern“: Im Folgenden werden drei metaphorische Konzeptbereiche nach Lakoff u. Johnson (1980, dt. 2014) vorgestellt:
  • Bei Räumlichen Metaphern verwendet der Mensch gedankliche Konzepte räumlicher Positionierungen, die als „Richtung“ oder „räumlicher Gegensatz“ metaphorisiert werden, wie oben – unten, vorne – hinten u.ä. In sprachlicher Form ergeben sich dann beispielsweise die Metaphern „sich obenauf fühlen“, oder „nieder geschlagen sein“ und „die Auflage sinkt“, oder „das Einkommen steigt“.
Bei Räumlichen Metaphern verwendet der Mensch gedankliche Konzepte räumlicher Positionierungen, die als „Richtung“ oder „räumlicher Gegensatz“ metaphorisiert werden.
  • Bei der Gruppe der Ontologischen Metaphern werden, vergleichbar mit den Orientierungsmetaphern, elementare Alltagserfahrungen mit konkreten Objekten und Prozessen auf abstrakte Vorstellungen projiziert und deren Eigenschaften gedanklich in metaphorische Konzepte und sprachlich in Metaphern überführt. So werden beispielsweise Metaphern aus einem angenommenen „simpleren“ Maschinenbereich für „komplexere“ geistige Prozesse oder Zustände verwendet (z.B. „Mein Gehirn ist eingerostet.“, „Ich bin kaputt.“);
Bei  Ontologischen Metaphern werden,  Alltagserfahrungen mit konkreten Objekten und Prozessen auf abstrakte Vorstellungen projiziert und deren Eigenschaften gedanklich in metaphorische Konzepte und sprachlich in Metaphern überführt.
  • Unter Strukturellen Metaphern wird verstanden, dass „kulturelle Auffassungen“ und „gesellschaftliches Handeln“ als metaphorische Konzepte gedanklich verarbeitet und in konkreten Situationen sprachlich als Metaphern verwendet werden. Ein von Lakoff u. Johnson verwendetes Beispiel ist die konzeptuelle Metapher „Argumentieren ist Kampf (Krieg)“, demzufolge Diskussionen tatsächlich häufig als Kampf empfunden werden, bei dem „gewonnen“ oder „verloren“ wird und zu sprachlichen Metaphern führt, wie etwa „Du bist anderer Meinung? Okay, schieß los“ oder „ein Argument abschmettern“).
Bei Strukturellen Metaphern werden  „kulturelle Auffassungen“ und „gesellschaftliches Handeln“ als metaphorische Konzepte gedanklich verarbeitet und als Metaphern verwendet.
Die drei genannten metaphorischen Konzeptbereiche werden natürlich bei Lakoff u. Johnson ausführlicher dargestellt und durch eine große Anzahl von Beispielen erläutert. Es zeigt sich aber, dass, wie in der einschlägigen Literatur nachvollzogen werden kann, dieser Ansatz zum Widerspruch anregt, da beispielsweise die Abgrenzung der Bereiche nicht eindeutig ist und zum anderen damit das gesamte Feld der Metaphern nicht vollständig erfasst und theoretisch erklärt werden kann. Ein interessanter Aspekt zur „zeitlichen Veränderung“ eines metaphorischen Konzeptbereiches zeigt sich beim Beispiel zur „Ontologischen Metapher“. Die dort angegebene Beziehung zwischen einem angenommenen „simpleren“ Maschinenbereich und einem „komplexeren“ Bereich geistiger Prozesse oder Zustände als Beispiel für eine konzeptuelle Metapher hat sich in seinen Konzeptmerkmalen oder -eigenschaften geradezu umgekehrt: So werden für komplexe technische und speziell digitale bzw. elektronische „Sachverhalte“, wie schon im vorhergehenden Kapitel angedeutet wurde, Erfahrungen aus dem „Alltagsleben“ konzeptuell metaphorisiert und als sprachliche Metaphern unter anderem für den Bereich des Internets genutzt, wie z.B. „Softwarewerkzeug – tools “, „kostenlose Software – freeware“ oder „Einstiegsseiten – portal“. Dieser Ansatz regt zum Widerspruch an, da beispielsweise die Abgrenzung der Bereiche nicht eindeutig ist und zum anderen nicht das gesamte Feld der Metaphern vollständig erfasst und theoretisch erklärt werden kann.
Jäkel (1997) versucht, „kognitive Funktionen“ der Metaphorik aus der Arbeit von Lakoff u. Johnson abzuleiten und gleichzeitig verbreitete Vorbehalte gegenüber dem Theorieansatz abzuschwächen. Danach lassen sich u. a. drei Funktionen konzeptueller Metaphern herausstellen (vgl. auch Schnadwinkel 2002): Nach Jäckel (1997) lassen sich drei Funktionen konzeptueller Metaphern herausstellen:
Erstens eine „Erklärungs- und Verständnisfunktion“ als originäre Funktion von Metaphern, mit deren Hilfe ein komplex empfundener Zielbereich, der gedanklich erfasst werden soll, durch einen metaphorischen „Rückgriff“ auf das Konzept eines einfacheren und gegebenenfalls leichter erfahrbaren Ursprungsbereich verständlicher gemacht werden kann. Dies gilt besonders für „abstrakte“ Begriffsfelder, „theoretische“ Zusammenhänge oder Erkenntnisse, die „außerhalb der Grenzen der sinnlichen Erfahrung“ (metaphysisch) liegen. Diese gedanklichen Konstrukte können durch Metaphern geradezu „erschlossen“ und auf die Ebene „direkter Anschauung“ gebracht und erfahrbar gemacht werden. Häufig ist die Metaphorik dabei die einzige Möglichkeit, um diese gedanklichen Bereiche (Domänen“) gedanklich zugänglich zu machen. „Erklärungs- und Verständnisfunktion“:  originäre Funktion von Metaphern, mit deren Hilfe ein komplexer Zielbereich durch einen metaphorischen „Rückgriff“ auf einen einfacheren und leichter erfahrbaren Ursprungsbereich verständlicher gemacht wird.
Als weitere Funktion kann Metaphern ein „Kreatives Potential“ zukommen, indem durch Metaphernkonzepte mehrere und verschiedenen Möglichkeiten zur Konzeptualisierung abstrakter Zieldomänen angeboten werden. Dieses kreative Potential findet sich häufig im alltäglichen Gebrauch und ergibt sich aus einer metaphorischen Neubeschreibung eines Gegenstandsbereiches, wodurch gebräuchliche Denkmuster umstrukturiert werden oder sich ausweiten. Lakoff u. Johnson gehen davon aus, dass sich aufgrund veränderter oder neuer Metaphernkonzepte sogar das Verhalten und Handeln an diesen Konzepten ausrichten kann. Als Beispiel wird das Metaphernkonzept Das Leben ist eine Reise („Lebensweg“, „Lebensziel“, „falsche Lebensrichtung einschlagen“) genannt und die Alternative: Das Leben ist eine Leiter („auf und ab des Lebens“, „jetzt geht es aufwärts“). „Kreatives Potential“: mit Metaphernkonzepten werden mehrere verschiedene Möglichkeiten zur Konzeptualisierung abstrakter Zieldomänen angeboten.
Als dritte Funktion wird der Fokussierungseffekt herausgestellt, nach dem gedankliche Konzepte aufgrund unterschiedlicher Lebensperspektiven erfasst und sprachlich metaphorisiert werden. Dabei werden lediglich adäquate Aspekte eines Konzeptes gedanklich hervorgehoben und in einer entsprechenden Situation metaphorisch realisiert. Die Systematik, aufgrund derer der Aspekt eines Konzeptes in Strukturen eines anderen Konzeptes erfasst werden kann, verstellt den Blick auf alle anderen Aspekte. Metaphern repräsentieren also eine ganz bestimmte Sicht; mit ihnen werden gewisse Aspekte hervorgehoben oder ausgeblendet. Als Beispiel wird das Konzept Argumentieren genannt Dieses kann auf Argumentieren ist eine Reise („in der Argumentation fortfahren“, „Schritt für Schritt fortfahren“) konzentriert werden oder Argumentieren ist ein Behältnis („Kern eines Argumentes“, „wenig Substanz in einer Aussage“). „Fokussierungseffekt“: mit Metaphern werden ganz bestimmte Sichten repräsentiert; es werden gewisse Aspekte hervorgehoben oder aber ausgeblendet.
Insgesamt stellt sich eine Metapher bisher nicht nur als sprachlicher Ausdruck dar, sondern in der Regel als Element eines Begriffsfeldes (eines Konzeptes, eines Modells, eines Lexikoneintrages) und wird im Rahmen gedanklicher Prozesse festgelegt, verknüpft, kann sich gegebenenfalls dynamisch verändern und in seiner Bedeutung erweitern, wird situativ an bestimmte Bedürfnisse angepasst und hat das Potential, Einfluss auf einen kommunikativen Diskurs zu nehmen oder sogar einen Handlungsverlauf zu beeinflussen. Insofern ist es ein konzeptuelles Instrument, das hilft, alltägliche aber auch fachliche und poetische Wahrnehmungen und gedankliche Vorstellungen zu strukturieren. Lakoff u. Johnson unterscheiden dabei zwischen sprachlichen und konzeptuellen Metaphern. Der metaphorische Übertragung findet auf der konzeptuellen Ebene statt und realisiert sich dann sprachlich als konventionell-metaphorische Redewendungen. Zusammenfassung:

Lakoff u. Johnson unterscheiden zwischen sprachlichen und konzeptuellen Metaphern. Bei ihrem Ansatz findet die metaphorische Übertragung auf der konzeptuellen Ebene statt und wird dann sprachlich als konventionell-metaphorische Redewendung realisiert.

4.3.4 Präzision von Metaphern

In einigen Wissenschaftsbereichen wird, wie schon angedeutet wurde, der Gebrauch von Metaphern (Metaphorik) in Fachsprachen angezweifelt, in letzter Zeit allerdings auch zunehmend akzeptiert und sogar als Faktor der fachlichen Wissensbildung diskutiert. Für die Kartographie sollte dabei festgehalten werden, welche bildlichen Kriterien für die Bedeutungsstrukturierung von Karten bei einem möglichen theoretischen oder angewandten Gebrauch von Metaphern zu erwarten sind. Zu dieser Fragestellung gehören also einerseits die erlebten oder vorgestellten Objekte, Klassen und gegebenenfalls Prozesse der Realität als metaphorischer Zielbereich und andererseits die kartographischen Werkzeuge und ihre konzeptuellen Bedeutungen als metaphorischer Ursprungsbereich. Das heißt allgemein, über welche Merkmale verfügen verwendete metaphorischen Sprach- und Bildkonstrukte und welche unterschiedlichen Funktionen und Wirkungen kommen ihnen zu, bzw. welcher gedankliche und sprachliche Gebrauch ist mit ihnen verbunden? Für die Kartographie entstehen die Fragen, über welche Merkmale metaphorische Sprach- und Bildkonstrukte verfügen, welche unterschiedlichen Funktionen und Wirkungen ihnen zukommen und welcher gedankliche und sprachliche Gebrauch mit ihnen verbunden ist.
In den vorherigen Ausführungen wurden verschiedene Bereiche und Situationen genannt, in denen Metaphern gebraucht werden. Dabei ist erst einmal davon auszugehen, dass mit ihrem gezielten oder auch „zufälligen“ Gebrauch in der Regel eine bessere bzw. originellere sprachliche und gedankliche Aufnahme und Verarbeitung von zu vermittelnder Bedeutung angestrebt wird. Dazu können die sprachlichen und Bedeutungsabweichungen zwischen Ziel- und Ursprungsbereich von Interesse sein. Das heißt, verfügen Metaphern über ähnliche sprachliche oder begriffliche Eigenschaften wie die Begriffskonstrukte des Zielbereichs oder anders gefragt, wird mit Metaphern eine begriffliche und sprachliche Genauigkeit oder Präzision  erreicht, die für das daraus resultierende Verhalten oder für die angestrebte Handlung angemessen ist? Verfügen Metaphern über ähnliche sprachliche oder begriffliche Eigenschaften wie die Begriffskonstrukte des Zielbereichs? Wird also mit Metaphern eine begriffliche und sprachliche Genauigkeit oder Präzision  erreicht, die für das daraus resultierende Verhalten oder für die angestrebte Handlung angemessen ist?
Die Eigenschaften „Genauigkeit“ und „Präzision“ von Metaphern werden in den betroffenen Kulturwissenschaften nur vereinzelnd diskutiert. Dies geschieht z.B. pointiert in der frühen Arbeit von Sybille Krämer (1990) und in dem sich darauf beziehenden Aufsatz von Petra Gehring (2011). Es kommen dabei, wie im Folgenden noch ausgeführt wird, weniger die in den Natur- oder Formalwissenschaften gebräuchlichen strengen Definitionen zum Tragen. Dort wird  unter „Genauigkeit“ ein Maß für die Übereinstimmung zwischen Messergebnissen und dem wahren Wert einer Messgröße verstanden und durch wiederholtes Messen ermittelt. „Präzision“ spielt z.B. auch in der statistischen Empirie eine Rolle, indem darunter die Bewertung der Übereinstimmung zwischen unabhängigen Messergebnissen unter festen Bedingungen verstanden wird. Auch der verwandte Begriff „Richtigkeit“ spielt dort eine Rolle. Sie wird zu den systematischen Fehlern gezählt und meint die Abweichung eines Mittelwertes vom wahren Wert. Es zeigt sich, dass in den Kulturwissenschaften und verwandten Disziplinen diese konkreten Festlegungen eher nicht  zur Bewertung von sprachlichen oder bildlichen Eigenschaften verwendet werden und angemessenere Ausdrucksform zum Tragen kommen, die zur Bewertung der Inhalte dieser Disziplinen geeignet sind. In den Kulturwissenschaften und verwandten Disziplinen werden in der Regel konkrete Festlegungen wie „Genauigkeit“ und „Präzision“ nicht  zur Bewertung von metaphorischen sprachlichen oder bildlichen Eigenschaften verwendet.

Es stehen vermutlich angemessenere Ausdrucksformen zur Verfügung.

Eine formale Beschreibung der Beziehung zwischen Ziel- und Ursprungsbereich in der Metaphorik wird bei Skirl (2009) durch den Begriff der „Emergenz“ erweitert. Emergenz wird in der Systemtheorie formal beschrieben, als das Auftauchen von Systemzuständen, die nicht durch die Eigenschaften der beteiligten Systemelemente erklärt werden können (vgl. Stein 2004). Dabei wird zwischen Änderungen (Transformationen) in offenen und geschlossenen Systemen unterschieden. In der Physik, beispielsweise, wird ein System als offen bezeichnet, wenn ein Energieaustausch zwischen Umwelt und System stattfindet, was bei geschlossenen Systemen nicht der Fall ist. Danach finden emergente Transformationen also in offenen Systemen statt. Dazu schreibt Fehse (2010) für Emergenz im linguistischen Bereich, dass sprachlichen Ausdrücken im Sprachverstehensprozess Bedeutungsmerkmale zugesprochen werden, „die nicht Teil der lexikalischen Bedeutungen bzw. Konzepte sind. Die Bedeutungszuweisung wird vom Kontext restringiert [schichtenspezifisch eingeschränkt] und von kontextuellen Faktoren gesteuert.“ In der Systemtheorie wird „Emergenz“ als das Auftauchen von Systemzuständen, die nicht durch die Eigenschaften der beteiligten Systemelemente erklärt werden können, beschrieben.

Für Emergenz im linguistischen Bereich werden sprachlichen Ausdrücken im Sprachverstehensprozess Bedeutungsmerkmalen zugesprochen, die nicht Teil der entsprechenden lexikalischen Bedeutungen sind.

Worin besteht nun aber die angenommene Ähnlichkeit und damit verbundene Präzision oder Genauigkeit einer Metapher mit der Struktur des sprachlichen oder bildlichen Bedeutungsbereichs, dem diese Metapher zugeordnet ist? Zur weiteren Beantwortung dieser Frage wird im Folgenden die Metaphernbildung als ein Transformationsprozess betrachtet und es werden Überlegungen angestellt, welche Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zwischen dem Ausgangsbereich des Metapherngebrauchs, als Sachverhalt und Begriffsfeld („Zielbereich“?), und dem zugehörigen Metaphernkonzept („Ursprungsbereich“?) bestehen. Metaphernbildung kann als ein Transformationsprozess betrachtet werden, bei dem Beziehungen zwischen einem metaphorischen Sachverhalts- und Begriffsfeld und dem zugehörigen Metaphernkonzept hergestellt werden.

4.3.5 Metaphorische Transformationen

Die Grundidee der Metaphorik besteht, wie schon mehrfach in dieser Arbeit ähnlich definiert wurde, nach Baldauf (1997) darin, „dass der Mensch zur Konzeptualisierung einer sehr komplexen Wirklichkeit auf metaphorische Prozesse zurückgreift, um Erfahrungen und Sachverhalte, die vage, abstrakt und schwer fassbar sind, mit Hilfe konkreter, elementarer Erfahrungen zu strukturieren und sie somit fassbar und rational verfügbar zu machen“ (S. 16). Dieser metaphorische Ansatz (vgl. Kap. 4.3.2) wird bei Lakoff u. Johnson (1980, dt. 2014) als die Verbindung von zwei verschiedenen, auf kognitive Prozesse bezogene Konzeptbereiche verstanden. Danach werden bei jeder metaphorischen Aktion die zwei Konzepte systematisch miteinander verbunden, von denen das eine als konkret erfahrbares Konzept der metaphorischen Übertragung fungiert („Ursprungsbereich“) und das andere als abstraktes Konzept von Vorstellungen und Sachverhalten („Zielbereich“), das mit Hilfe der metaphorischen Struktur des Ursprungsbereiches angereichert werden soll (vgl. Jäkel 2003, S.23). Diese gedankliche Verknüpfung kann dann zur Ableitung von entsprechenden sprachlich/bildlichen Metaphern führen (vgl. Skirl 2009, S. 60). Aus diesem Ansatz resultiert die theoretische Auseinandersetzung – vor allem bei Helge Skirl – , ob in der Metaphorik die Beziehung zwischen zwei abstrakten Konzeptbereichen (Ursprungsbereich – Zielbereich), wie oben skizziert, relevant ist, oder ob nicht die metaphorischen Beziehungen zwischen der Vorstellung eines abstrakten Sachverhalts und einer konkreten sprachlich/bildlichen Metapher – eingebunden in ein Bedeutungskonzept – zum besseren Verständnis des Metapherngebrauchs führt. Für die folgenden Ausführungen wird im Wesentlichen von diesem letzteren Ansatz – einer sprachlich/bildlichen Ebene, die in eine Bedeutungskonzeption eingebunden ist – ausgegangen. Ist die Beziehung zwischen zwei abstrakten Konzeptbereichen (Ursprungsbereich – Zielbereich) oder andererseits die metaphorische Beziehung zwischen der Vorstellung eines abstrakten Sachverhalts und einer konkreten sprachlich/bildlichen Metapher zum besseren Verständnis des Metapherngebrauchs aufschlussreicher?

Die folgenden Ausführungen gehen von diesem letzteren Ansatz – einem sprachlich/bildlichen Vorgang –  aus.

In Kap. 4.4 wird noch für die Beschreibung und Bewertung von Transformationsprozessen bei der „Analogie-Bildung“ ein nach Klix (1980) vorgeschlagener Formalisierungsansatz der Kybernetik dargestellt. Dieser Ansatz kann auch verändert für die Beschreibung metaphorischer Vorgänge hilfreich sein. In der linguistischen „generativen Semantik“ werden Überführungen von Wortbedeutungen formal durch Transformationsregeln beschrieben (vgl. Buchberger 1993). Danach wird bei einer Transformation beispielsweise die logische Relation zwischen den Elementen A und B definiert, insofern sie die Veränderung eines Systemzustandes SA in einen Systemzustand SB abbildet (abgekürzt A → B). Diese Transformationsrelation weist Elemente als „Repräsentanten“ der semantischen Mengen A und B auf, wobei der Menge B bestimmte Transformationsziele zukommen müssen. Mit diesem Formalismus werden Elemente aus einer  sprachlichen „Tiefenstruktur“ in eine „Oberflächenstruktur“  überführt. Im vorliegenden Zusammenhang können  A und B allerdings auch als Elemente gleicher Wort- und Satzebenen definiert sein. In der Linguistik wird die Überführung von Wortbedeutungen formal durch Transformationsregeln beschrieben.

Mit Hilfe dieser Regeln werden Elemente aus einer sprachlichen „Tiefenstruktur“  in eine „Oberflächenstruktur“ überführt.

Im vorliegenden Zusammenhang können A und B auch als Elemente gleicher Wort- und Satzebenen definiert sein.

Transformationsregeln sind auch gleichzeitig Operationsregeln, nach denen festgelegt wird, welche Veränderungen durch Transformation zulässig sind. Kanngiesser et al. (1984) führen dazu beispielsweise unterschiedliche Operationen an, wie Tilgen, Löschen, Ersetzen, Erweitern, Ausdehnen, Reduzieren, Addieren, Umstellen und Vertauschen. Daraus entsteht dann die „pragmatische“ Frage nach dem Akquisitionsmodus, also ob das Transformationselement B in einer bestimmten Weise äquivalent zu dem Element  A umgewandelt worden ist. Für die folgenden Ausführungen muss berücksichtigt werden, dass es bei Transformationen im metaphorischen Bereich nicht nur zu einem einfachen Austausch von Bedeutungen, sondern auch zu neuen gedanklichen Konstrukten kommen kann. Transformationsregeln sind auch gleichzeitig Operationsregeln, nach denen festgelegt wird, welche Veränderungen durch Transformation zulässig sind.

Bei Transformationen im metaphorischen Bereich kommt es nicht nur zu einem Austausch von Bedeutungen, sondern auch zur gedanklichen Neubildung von Konstrukten.

Der Gebrauch von Metaphern kann einerseits als eine individuelle Transformation durch ein einzelnes Individuum aufgefasst werden. Dabei geht die Metaphernbildung und -deutung von identischen gedanklichen Potenzialen  aus. Sie werden allerdings zusätzlich von außen angeregt, z.B. im Rahmen eines Handlungsvorgangs. Andererseits kann die Metapherntransformation speziell im Rahmen eines Kommunikationsvorgangs erfolgen. Aufgrund der damit verbundenen Trennung von gedanklichen Potenzialen, metaphorischen Vorstellungen und verfügbaren Konzepten auf mindestens zwei Personen, sind der Verlauf der Metaphorisierung und die zu erwartenden Wirkungen und Effekte nur eingeschränkt voraussehbar. Formal lassen sich zwischen beiden Vorgängen folgende strukturellen Unterschiede festhalten (vgl. im Folgenden Abb. 43.1 u. Abb. 43.2): Der Gebrauch von Metaphern kann ein individueller Vorgang sein mit identischen gedanklichen Potenzialen. Oder er kann im Rahmen eines Kommunikationsvorgangs erfolgen mit einer Trennung von gedanklichen Potenzialen, metaphorischen Vorstellungen und verfügbaren Konzepten.

Abb. 43.1 Individuelle metaphorische Transformationen

  • Beim individuellen Metapherngebrauch sind die gedanklichen Konzepte des metaphorischen Zusammenhangs A bei den Transformationen (TA, B) und (TB´, A´) formal identisch, da sie einem einzigen Individuum zukommen. Aufgrund zeitabhängiger und situativer gedanklicher Bedingungen kann sich aber der Zustand des Bereichs A ungleichmäßig verändern.
Beim individuellen Metapherngebrauch sind die gedanklichen Konzepte des metaphorischen Zusammenhangs A bei den Transformationen (TA, B) und (TB´, A´) formal identisch.
  • Beim kommunikativen Metapherngebrauch sind die gedanklichen Konzepte der metaphorischen Zusammenhänge A1 und A2 bei den Transformationen (TA, B) und (TB´, A´) nicht identisch, da sie verschiedenen Individuen zukommen. Aufgrund gleicher externer bzw. konventionalisierter Bedingungen kann sich aber eine relative Annäherung der Konzepte A1 und A2 ergeben.
Beim kommunikativen Metapherngebrauch sind die gedanklichen Konzepte der metaphorischen Zusammenhänge A1 und A2 bei den Transformationen (TA, B) und (TB´, A´nicht identisch.
Diese Bedingungen gelten bei metaphorischen Transformationen zwischen einem „Sachverhalt bzw. Begriffsfeld“  und  relevanten „MetaphernKonzepten“ sowie umgekehrt, also zwischen einer gedanklich identifizierten Metapher und einem sich aus einen metaphorischen Zusammenhang ergebenden Sachverhalt. Danach lassen sich zwei unabhängige Wissenstransformationen unterscheiden: Einmal die Transformation TA B, mit dem Ziel, von einem zu vermittelnden Begriffsfeld aus mit Hilfe eines  verfügbaren Metaphernkonzeptes eine Metapher abzuleiten und die Transformation TB´A´ mit dem Ziel, aus der Metapher die Metaphernbedeutung metaphorisch in eine gedankliche Beziehung zu einem zu vermittelnden Begriffsfeld zu stellen. Diese Bedingungen gelten bei metaphorischen Transformationen zwischen einem „Sachverhalt bzw. Begriffsfeld“ und relevanten „Metaphernvorstellungen“ sowie umgekehrt.
Beim individuellen metaphorischen Vorgang ergeben sich beide Transformationen aus demselben „metaphorischen Zusammenhang“. Auch hier werden einerseits mit der Transformation  TA B, vom einem zu vermittelnden Begriffsfeld aus eine Metapher abgeleitet und andererseits als Transformation TB´A´ aus der Metapher die Metaphernbedeutung metaphorisch in eine gedankliche Beziehung zu einem zu vermittelnden Begriffsfeld gestellt.  Das Begriffsfeld A und das Metaphernkonzept B sind in ihren in ihren Inhalts-  Text- oder Bildstrukturen unterschiedlich, ähneln sich aber in ihren (übergeordneten) Bedeutungsstrukturen. Der metaphorische Zusammenhang bestimmt damit gedanklich die internen Transformationsbedingungen, wird auch durch externe „Transformationsregeln“ mitbestimmt, wie etwa durch grammatikalische Regeln oder durch konventionalisierte Formen des Metapherngebrauchs. Es ergeben sich also einerseits relativ homogene gedankliche Voraussetzungen und Bedingungen bei der Metaphernbildung und -deutung, andererseits aber auch externe Beeinflussungen durch Regeln und Konventionen. Beim individuellen metaphorischen Vorgang ergeben sich beide Transformationen aus demselben „metaphorischen Zusammenhang“.

Es entstehen also einerseits relativ homogene gedankliche Voraussetzungen und Bedingungen bei der Metaphernbildung und -deutung, andererseits aber auch externe Beeinflussungen durch Regeln und Sprachkonventionen.

Kommunikative metaphorische Transformationen

Abb. 43.2 Kommunikative metaphorische Transformationen

Dieser metaphorische Prozess kann in seinen bedeutungsrelevanten Auswirkungen durch „emergente Merkmale“ erweitert sein. Diese Merkmale kommen zur Wirkung, wenn sie nicht durch die Eigenschaften beteiligter Systeme erklärt werden können. Das bedeutet, dass emergente Bedeutungen (Merkmale), die im Sprachverstehensprozess  sowohl dem zugrundliegenden Begriffsfeld als auch dem zugeordneten Metaphernkonzept zugeordnet sind, nicht Teil der lexikalischen Bedeutungen dieser Ausdrücke sind, aber dafür neue inhaltliche Aspekte in den metaphorischen Prozess einbringen. Dies gilt auch für den „metaphorischen Bereich“, also für das Konzept der konkreten Metapher, da deren Wirkung besonders auf ihrer leichteren, schnelleren und einprägsameren Zugänglichkeit beruht und daher besonders mit ihrer Hilfe Sachverhalte oder Erscheinungen aus konkreteren Erfahrungsbereichen angesprochen werden können. Dies ist bei den metaphorischen Sachverhalten bzw. Begriffsfeldern, auf die sich die Metapher bezieht, eher nicht der Fall. Der metaphorische Prozess kann in seinen bedeutungsrelevanten Auswirkungen durch sogenannte „emergente Merkmale“ erweitert werden.

Das bedeutet, dass emergente Merkmale, die im Sprachverstehensprozess sprachlichen Ausdrücken gedanklich zugeordnet werden, aber nicht Teil der lexikalischen Bedeutung dieser Ausdrücke sind, neue Inhalte in einen metaphorischen Prozess einbringen können.

Im kommunikativen metaphorischen Vorgang gleichen zwar die Ziele der dargestellten Transformationen denen des „Individuellen Metapherngebrauchs“. Wie aber Abbildung 43.2 deutlich macht, führt die getrennte Position der am Kommunikationsprozess Beteiligten, als –  wie es in der klassischen Kommunikationstheorie heißt – „Sender“ und „Empfänger“, zu erheblichen Unwägbarkeiten im Metapherngebrauch. Die formale Struktur des Schemas zeigt, dass dieser nicht identische „metaphorische Zusammenhang“ und das darin eingebundene „Sachverhalts- und Begriffsfeld“ zu zwei unterschiedlichen gedanklichen Positionen führt. Dies alles kann durch die offene Wirkung von emergenten Merkmalen noch verstärkt werden. Das Schema zum kommunikativen metaphorischen Vorgang zeigt, dass der nicht identische „metaphorische Zusammenhang“ und das darin eingebundene „Sachverhalts- und Begriffsfeld“ zu zwei unterschiedlichen Sichten auf den Metaphernprozess führen. Dies kann durch die offene Wirkung von emergenten Merkmalen noch verstärkt werden.
Außerdem können die „dynamischen Eigenschaften“ von Emergenzmerkmalen zu weiteren Abweichungen bei der Wissensdeutung im jeweiligen Metapherngebrauch führen. Dies resultiert aus kontextuellen und konnotativen Wissensaspekten, die sich u.a. aus der Kommunikationssituation und den individuellen mentalen Bedingungen beim „Sender“ und „Empfänger“ ergeben und die gegebenenfalls zu spezifischen Vorstellungen und damit zu einer im Verhältnis zur Erwartung des Senders überraschenden Wissensgewinnung und -auslegung führen. Weitere kontextuelle und konnotative Bedingungen können zu einer im Verhältnis zur Erwartung des „Senders“ überraschenden Wissensgewinnung und -auslegung führen.

4.3.6 Metaphorisches Begriffsfeld

Das vorgestellte Transformationsschema hat das Ziel, die komplexen kognitiven Prozesse, die die Metaphernbildung und -deutung bestimmen, formal zu gliedern und unterscheidbarer zu machen. Zur Erweiterung dieses Vorhabens wird im Folgenden besonders der Bereich des „metaphorisches Begriffsfeldes“ analysiert. Dabei handelt es sich, wie schon ausgeführt wurde, nicht um das Metaphernkonzept bzw. die Metaphernbedeutung, sondern um dass, was durch eine Metapher gedanklich ersetzt werden soll. Die Struktur dieses Begriffsfeldes ist überraschenderweise kein besonders relevantes Thema der  Metaphernforschung, so dass sich weiterhin die Frage stellt, in welchem Verhältnis die „Präzision“ oder „Genauigkeit“ von Metaphern zu dem metaphorisierenden Feld der Sachverhalte und Begriffe steht. Zur Konkretisierung des metaphorischen Prozesses wird im Folgenden besonders der Bereich  des „metaphorisches Begriffsfeldes“ analysiert
Von der „Ebene des Sprachgebrauchs“ (vgl. Skirl 2009 S. 61f) lassen sich, wie im  Transformationsschema gezeigt wurde, zwei entgegengesetzte Sichten auf den Metapherngebrauch unterscheiden:

  • zum einen die Sicht vom Sachverhalts- und Begriffsfeld aus, mit der Fragestellung nach der richtigen oder angemessenen Repräsentation durch Metaphern;
  • zum anderen die Sicht von der angebotenen Metapher aus, mit der Fragestellung nach ihrer Struktur und Relevanz für die gedankliche Vorstellung des repräsentierten Sachverhalts- oder Begriffsfeldes.
Es lassen sich zwei entgegengesetzte Sichten auf den Metapherngebrauch unterscheiden:
Der Ausgangsbereich der ersten Sicht, lässt sich als sprachlich oder bildlich vorgestellte Begriffe oder Sachverhalte beschreiben, von dem zentrale Aspekte gedanklich durch Metaphern ersetzt bzw. vermittelt werden sollen. Aus sprachlogischer Sicht ist ein Sachverhalt der Gegenstand einer Aussage, die beschreibt, wie etwas beschaffen ist (Seiffert 1997) oder nach Klaus et al. (1972): das Zukommen von Eigenschaften zu Individuen, Klassen und deren Beziehungen. Ein Sachverhalt muss von Tatsachen unterschieden werden, da diese wirklich existieren, dies bei Sachverhalten aber nicht der Fall sein muss. Sachverhalte werden gedanklich durch Aussagen und sprachlich durch Aussagesätze abgebildet (vgl. Tab. 43.1). Der Ausgangsbereich der Metaphernbildung lässt sich als ein sprachlicher, bildlicher oder vorgestellter Begriff oder Sachverhalt beschreiben,  von dem bestimmte Aspekte durch Metaphern ersetzt und vermittelt werden sollen.

Sprachlogische Struktur der Bedeutung

Tab. 43.1 Sprachlogische Struktur der „Bedeutung“ (nach Klaus u. Buhr 1972 und Lexikon der Kartographie und Geomatik 2001)

Das zentrale Element eines Sachverhaltes ist in der Regel ein bestimmtes „Objekt“, häufig in Form einer verallgemeinerten (Objekt-) Klasse, die auf der gedanklichen Ebene als „Begriff“, auf der sprachlichen Ebene als „Ausdruck oder Bezeichnung“ und in der Stellung eines Satzgliedes beispielsweise als „Substantiv“ repräsentiert wird. Dieses Objekt bzw. dessen Bedeutung bilden häufig die inhaltliche Basis für den zugehörigen Sachverhalt bzw. das gedankliche Sachverhaltskonzept. Dabei kann das zentrale Element eines Sachverhaltes  ein „Objekt“ oder eine Klasse,  auf der gedanklichen Ebene ein „Begriff“, auf der sprachlichen Ebene ein „Ausdruck“ und als Satzglied ein „Substantiv“ sein.
Aus der Sicht der Sprachwissenschaften führt Gefrereis (1999) weitere (sprachliche) Elemente auf, die Glieder eines Satzes sind und metaphorisch verwendet werden können (S. 124f): Weitere Elemente die metaphorisch verwendet werden können:
  •  Substantiv (Ausdruck, Begriff): z.B. „Bergkamm“,
  • Verb: z.B. die Bäume „schlagen aus“,
  • Adjektiv: z.B. „gigantische“ Ausmaße,
  • Redewendung (Phraseologismus): z.B. in den „sauren Apfel beißen“.
Die Elemente werden z.B. in der „lexikalischen Semantik“ hinsichtlich ihrer Bedeutung sowie in der „Sozio-  und Kognitionslinguistik“ hinsichtlich ihres Gebrauchs bestimmt und untersucht. Dabei wird der gedankliche Gehalt von Wörtern beispielsweise nach seiner Wortstellung und Funktion im Satzverbund und nach den verschiedenen Organisationsformen eines „Semantischen Lexikons“ bestimmt. Bei Fachbegriffen wird sogar angestrebt, diese, wenn sie über metaphorische Zuordnungen verfügen, mit Hilfe von DIN-Normen zu kennzeichnen und festzulegen (vgl. z.B. Streitbörger 2014) Der gedankliche Gehalt von Wörtern kann nach der Wortstellung und Funktion im Satzverbund und inhaltlich nach den verschiedenen Organisationsformen eines „Semantischen Lexikons“ bestimmt werden.
Verben und Adjektive sind nach semantischer, morphologischer und syntaktischer Beschreibung keine autonomen Wörter. Trotz der Möglichkeit, mit ihrer Hilfe begriffliche Eigenschaften abstrakt zu benennen, ist eine Konkretisierungsbasis erforderlich, auf welcher sie verdeutlicht werden müssen (vgl. Eroms 2000; Trost 2006). Die Stellung und Funktion von Verben und Adjektiven im Satzverbund kann durch sog. „Prädikationen“ festgelegt werden. Prädikation ist ein sprachphilosophischer Begriff und bezeichnet den Vorgang, mit dem einem Gegenstand eine Eigenschaft (ein Prädikator) zugesprochen wird (vgl. Kamlah et al. 1967). Neben Substantiven haben Verben eine besonders wichtige Funktion für die Satzbedeutung, vor allem aufgrund ihres Valenzpotentials. Ihre Zuordnung wird daher auch häufig als „zentrale Prädikation“ bezeichnet und die von Adjektiven als „sekundäre Prädikation“. Eine wichtige Funktion der Prädikation ist also die Strukturierung von Sätzen bzw. damit auch von repräsentierten Sachverhalten. Verben und Adjektive sind keine autonomen Wörter.

Ihr Stellung und Funktion im Satzverbund kann durch „Prädikationen“ festgelegt werden.

Eine wichtige Funktion von Prädikationen ist  die Kategorisierung und Strukturierung von Sätzen bzw. von repräsentierten Sachverhalten.

Wie schon ausgeführt wurde, vertreten u.a. die Bildwissenschaften die Vorstellung, dass bildliche Kommunikationsvorgänge „argumentativ“ erfolgen sollten, also dass dem in einem Bild repräsentierten „Prädikat“ eines Satzes bzw. eines Sachverhalts eine bestimmte aktive, argumentative Rolle oder sogar ein Aufforderungscharakter zukommt. Das bedeutet, dass danach das Subjekt und als reales Phänomen das Objekt, die Klasse oder das Relationselement über eine bestimmte aktive Eigenschaft verfügen. Nach Ewald (1999, S. 225) muss allerdings insgesamt davon ausgegangen werden, dass bei der Vorstellung von Gegenständen, Prozessen oder Eigenschaften, je nach Komplexität des metaphorisierten Wortes, auf „punktuelle Denotationsvergleiche“, d.h. auf die unmittelbare Bedeutung zurückgegriffen wird und nicht der konzeptionelle Gehalt von Prädikationen im Mittelpunkt stehen muss. Dem in einem Bild repräsentierten „Prädikat“ soll eine aktive, argumentative Rolle zukommen. Das Subjekt oder das reale Objekt verfügen damit also über eine aktive Eigenschaft.

Unabhängig davon wird aber vor allem auf die unmittelbare Bedeutung (Denotat) eines repräsentierten Gegenstandes zurückgegriffen.

Auf die besondere Stellung des Substantivs in einem Satz ist hingewiesen worden. Dölling (2012, S. 1) hat für die linguistische Pragmatik am Beispiel von sprachlichen Kategorien dargestellt, wie deren Bedeutung methodisch u.a. empirisch ermittelt werden kann: Wie wird die Bedeutung von Substantiven ermittelt?

„Speziell Bedeutungen, als besondere mentale Phänomene, sind unmittelbar mit kognitiven Fähigkeiten, darunter vor allem mit denen der Kategorisierung und Konzeptbildung, verbunden. Kategorisierung  ist ein Grundbegriff der kognitiven Psychologie und der Kognitionswissenschaft überhaupt. Unter Kategorisierung versteht man kognitive Vorgänge, bei denen beliebige Gegenstände der Wahrnehmung oder Vorstellung geordnet und ihnen bestimmte Kategorien zugewiesen werden.“

Mit Hilfe von Kategorisierungen werden Gegenstände der Wahrnehmung oder Vorstellung geordnet und bestimmten Kategorien zugewiesen.
Im Rahmen der Kategorisierung wird unter „Kategorie“ eine Klasse von gleichartigen Gegenständen verstanden. Im nach Dölling verwandten „traditionelleren“ Bereich der Begriffsbildung, wird dagegen ein „Begriff als gedankliche Repräsentation einer Klasse von Individuen (Elementen) auf der Grundlage ihrer invarianten Merkmale“ definiert (vgl. Klaus et al. 1972, S. 178ff). Bei Klix (1971, S. 515ff) wurde dazu schon sehr früh kognitionswissenschaftlich untersucht und ausgeführt, wie Unter „Kategorie“ oder „Begriff“ wird eine Menge oder Klasse von gleichartigen Gegenständen verstanden.

Dazu existieren kognitionswissenschaftliche Untersuchungen:

„diejenigen Merkmale, die das Wesen, die Bedeutung oder die typische Gestalt eines Gebildes repräsentieren und die auch gegenüber Veränderungen konsistent d. h. invariant sind, gedanklich erhalten bleiben und weiterverarbeitet werden. Diejenigen Merkmale aber, die zum Abgrenzen, Erkennen oder Einordnen eines Gegenstands nicht relevant (zufällig, individuell, situationsbezogen) sind, werden gedanklich ausgefiltert.“ (Bollmann 2001d, S. 410).

Begriffe werden durch „invariante“ Merkmale repräsentiert, die das Wesen, die Bedeutung oder die typische Gestalt eines Gebildes ausmachen.
Allgemein sind Begriffsbildungen nur möglich, wenn das  kognitive System bestimmte Merkmale für die Konzeptualisierung von Begriffen zur Verfügung stellt. Dabei bestimmt das „Konzept“ eines Begriffs die allgemeinen Merkmale ihrer Mitglieder. So ist beispielsweise das Konzept „Rose“ die mentale Repräsentation, die den Begriff ROSE festlegt und dem die allgemeinen Merkmale Farbe, Gestalt, Geruch etc. zugeordnet sind. So ist beispielsweise das Konzept „Rose“ die mentale Repräsentation, die den Begriff ROSE festlegt und dem die allgemeinen Merkmale Farbe(n), Gestalt, Geruch etc. zugeordnet sind.
Dieser Ansatz kann durch das sogenannte NHB-Modell formalisiert werden, indem ein Begriff durch eine Menge „notwendiger“ Bedingungen definiert wird, die zusammen für die Begriffsbildung auch „hinreichend“ sind (vgl. Loppe 2010). Also beispielsweise im Begriff „Junggeselle“ sind  Menschen (x) mit bestimmten Merkmalen zusammengefasst und zwar als Dieser kann durch das NHB-Modell formalisiert werden als „notwendige“ und „hinreichende“ Bedingungen der Begriffsbildung:
notwendige Bedingungen:

  • (x) ist unverheiratet,
  • (x) ist männlich
  • etc.

hinreichende Bedingungen:

  • wenn (x) unverheiratet, männlich etc. ist … ist es ein Junggeselle.

 

Dieses NHB-Modell beruht auf  einer Menge von

feststehende Annahmen:

  • „Kategorien beruhen auf einer festen Menge von Merkmalen“,
  • „Jedes dieser Merkmale ist unbedingt notwendig“,
  • „Kategorien haben klare Grenzen“,
  • etc.
Ein weitergehender Ansatz der Semantik ist die sogenannte „Prototypentheorie“, nach der es jeweils Elemente gibt, die bevorzugt zur sprachlichen und gedanklichen Einordnung von Kategorien verwendet werden (vgl. z.B. Kleiber 1993; Blank 2001). Die „Prototypentheorie“ stützt sich auf Feststellungen und empirische Untersuchungsergebnisse, nach denen die sprachliche oder gedankliche Identifizierung einer Kategorie (eines Begriffs) aufgrund von sogenannten „Prototypen“ erfolgt. Beispielsweise werden für die konzeptuelle (gedankliche) Bestimmung von bestimmten Farbtönen (Rot, Grün, Blau etc.) nicht „invariante Merkmale“ der jeweiligen Farbe vorausgesetzt, sondern sogenannte „Fokalfarben“, die sich aufgrund von Wahrnehmungserfahrungen als typische Farbbezeichnungen visuell-gedanklich bilden. Von Rosch (1975) wurden dazu u.a. Experimente zur Kategorie VOGEL durchgeführt und festgestellt, dass es aus einer Auswahl von Vogelarten eine bestimmte Art gibt, die als Prototyp oder als „bestes Beispiel“ ausgewählt wurde (→ „Rotkelchen“). Aufgrund weiterer  Ermittlungen von Prototypen, vor allem aber aufgrund der Verfeinerung und Weiterentwicklung der Prototypentheorie selbst, kann nach Dölling (2012) festgehalten werden, dass Kategorisierung (Begriffsbildung) auf aus der Erfahrung resultierenden Bestimmungen basiert, die in Form von Konzepten gedanklich beim Menschen verankert sind. Ein weitergehender Ansatz der Semantik ist die sogenannte „Prototypentheorie“, nach der es jeweils Elemente gibt, die bevorzugt zur sprachlichen und gedanklichen Einordnung von Kategorien verwendet werden:

für die konzeptuelle  Bestimmung von bestimmten Farbtönen (Rot, Grün, Blau etc.) werden nicht „invariante Merkmale“ der jeweiligen Farbe vorausgesetzt, sondern „Fokalfarben“ als Prototypen, die sich aufgrund von Wahrnehmungserfahrungen gedanklich als typische Farbbezeichnungen ergeben.

Die wenigen Beispiele sollen verdeutlicht, dass sich aus den formalen Festlegungen von Objekten, Klassen, Sachverhalten und deren gedanklichen und sprachlichen Formen als Elemente des „Metaphorischen Begriffsfeldes“ Erkenntnisse und Regeln ergeben, die, obwohl sie nicht als relevantes Thema der Metaphernforschung gelten, zum großem Teil im allgemeinen Sprach- und damit Metapherngebrauch zum Tragen kommen. So kann insgesamt konstatiert werden, dass diese Erkenntnisse im Verhältnis zu den aktuellen metaphorischen Erkenntnissen eine besonders fundierte und nachvollziehbare Basis im Rahmen der Metaphorik darstellen. So kann konstatiert werden, dass Aspekte  des Metaphorischen Begriffsfeldes im Verhältnis zu verschiedenen Ansätzen der Metaphorik eine eher nachvollziehbare und überprüfbare Basis darstellen.
 

4.3.7 Metapherngebrauch und Metaphernkonzepte

Im vorigen Kapitel wurde die „Ebene der realen Phänomene“ als Objekte und Sachverhalte und gleichzeitig deren „gedankliche Repräsentationen“ als Begriffe und Aussagen skizziert, die individuell oder aber kommunikativ als Informationen bzw. Wissenseinheiten mit Hilfe textlicher, bildlicher oder auch kartographischer Medien verfügbar gemacht werden. Es wurde dazu angedeutet, dass dieser Transfer von Wissen als Fakten, Theorien und Regeln beschleunigt, gesichert oder attraktiver wird, wenn automatisch oder gezielt ganze Einheiten oder bestimmte Elemente von Sachverhalten durch metaphorische Transformation ersetzt, ergänzt und in ihren Aussagen erweitert werden. Der Transfer von Wissen als Fakten, Theorien und Regeln wird beschleunigt, gesichert oder attraktiver, wenn ganze Einheiten oder bestimmte Elemente von Sachverhalten durch metaphorische Transformation ersetzt, ergänzt und in ihren Aussagen erweitert werden.
Vorerst wird davon ausgegangen, dass die Voraussetzungen und Bedingungen des individuellen und kommunikativen Metapherngebrauchs im Wesentlichen auch für den Bereich der Kartographie gelten, so dass zuerst, unabhängig von kartographischen Aspekten, die „sprachliche Metaphorik“ thematisiert wird und diese dann in den Zusammenhang mit der „bildlichen Metaphorik“ gestellt wird. Die Ausgangsfrage zu diesem Teil der Ausführungen zielte auf die gedankliche Qualität von Metaphern: Können Metaphern im Rahmen eines Zuordnungsprozesses die Qualität der zugrundeliegenden oder zu ersetzenden Sachverhalte und Begriffsfelder erreichen und sind damit, unabhängig von ihrem angenommenen positiven Übermittlungseffekt, hinsichtlich ihrer sprachlich-gedanklichen Präzision oder Genauigkeit mit den Elementen dieses Bereiches vergleichbar? Wird bei diesem Zuordnungsprozess die Qualität der zugrundeliegenden Sachverhalte und Begriffsfelder erreicht und sind sie damit hinsichtlich ihrer sprachlich-gedanklichen Präzision oder Genauigkeit mit den Elementen dieses Bereiches vergleichbar?
Der „Metapherngebrauch“ wird hinsichtlich potentieller Gebrauchsfelder zunehmend differenzierter gesehen. Dies betrifft z.B. die Didaktik und die Kommunikationswissenschaften aber auch Disziplinen wie die Wirtschaftswissenschaften, die Rechtswissenschaften und die Informatik. In der Regel spielen dabei vor allem deren fachliche Sprachformen eine Rolle, aber auch gedanklich-kontextuelle, situative, handlungsspezifische und gesellschaftliche  Voraussetzungen und Bedingungen als konkreter Gebrauchs- und Kommunikationsrahmen. Weiterhin sind die unterschiedlichen Rollen von „Metaphernproduzenten“ und  „Metaphernrezipienten“ und ihre Stellungen zueinander zu unterscheiden, da sich durch deren jeweilige individuelle und gesellschaftliche Positionen erhebliche Unterschiede im  Metapherngebrauch ergeben können. Der „Metapherngebrauch“ wird hinsichtlich potentieller Gebrauchsfelder zunehmend differenzierter gesehen. In der Regel spielen dabei vor allem deren fachliche Sprachformen eine Rolle, aber auch gedanklich-kontextuelle, situative, handlungsspezifische und gesellschaftliche  Voraussetzungen und Bedingungen als konkreter Gebrauchs- und Kommunikationsrahmen.
Als Beispiel soll im Folgenden formal unterschieden werden, in welcher Form metaphorische Sachverhalte und Begriffe im Zusammenhang mit einer entsprechenden Metapher im Rahmen eines metaphorischen Prozesses einem Rezipienten konkret zur Verfügung stehen (vgl. auch Forceville 1996). Dazu sind in Abb. 43.3  wichtige Bedingungen und Beziehungen schematisch dargestellt, wobei die Begrifflichkeiten des Schemas im folgenden Text kursiv gekennzeichnet sind. Diese Verfügbarkeit hat sowohl auf den visuell-gedanklichen Ablauf des Prozesses, als auch auf den Erfolg der gedanklichen Verknüpfung von Metaphern- und Sachverhaltskonzepten einen erheblichen Einfluss. In welcher Form steht also eine „Metaphernumgebung“ in Form von Informationen und kontextuelle Elemente  –  neben dem Angebot der Metapher selbst – einem Rezipienten zur Verfügung, um daraus gedanklich den Inhalt der Metapher  und die metaphorische (übertragende) Bedeutung ableiten zu können? Im Folgenden wird unterschieden, in welcher Form metaphorische Sachverhalte und Begriffe im Zusammenhang mit einer Metapher einem Rezipienten konkret zur Verfügung stehen In Abb. 43.3  sind die Begrifflichkeiten des Schemas im folgenden Text kursiv gekennzeichnet.

(a) als konkreter sprachlicher Rahmen (z.B. ein Satz);

(b) als Textumgebung (z.B. ein Artikel);

(c) als medialer und situativer Kontext (z.B. ein Tagungsband, der Autor, Daten zur Tagung ect.).

Abb. 43.3 Metapher in interner und externer Umgebung

Als Variante (a) kann einer Metapher beispielsweise ein Satz oder eine begriffliche Bezeichnung als zugehöriger Sachverhalt zugeordnet sein, in den die Metapher eingebunden ist und aus derem Zusammenhang die Metapher fokussierend abgeleitet wurde. Da sowohl die Metapher als auch der zugehörige Sachverhalt gemeinsam zur Verfügung stehen, ergibt sich daraus eine gesteigerte Wirksamkeit ihrer gedanklichen Verknüpfung. Dies ist besonders dann der Fall, wenn Sachverhalt und Metapher nicht in sprachlicher, sondern in textlicher Form oder als „Text und Bild“ permanent im Rahmen der „Metapherndeutung“ präsentiert sind und damit deren gedankliche Verknüpfung durch stetigen Wechsel und Vergleich der Präsentationen erfolgen kann. Allerdings ist zu vermuten, dass dadurch gegebenenfalls die Bereitschaft (Motivation) zur sinnvollen oder gezielten Ableitung der zu metaphorisierenden Bedeutung eingeschränkt wird. Als Variante (a) kann einer Metapher beispielsweise ein Satz oder eine begriffliche Bezeichnung als zugehöriger Sachverhalt zugeordnet sein.

Da sowohl die Metapher als auch der entsprechend präsentierte Sachverhalt gemeinsam zur Verfügung stehen, ergibt sich daraus eine gesteigerte Wirksamkeit ihrer gedanklichen Verknüpfung.

Mit der Variante (b) sind Elemente gemeint, die auf eine Metapher zusätzlich als entsprechende Sachverhalte oder Begriffe hinweisen. Dies kann ein Satz sein, der indirekt den Zusammenhang zwischen Metapher und Sachverhalt beschreibt und in dem die Metapher als Satzglied eingebunden ist. Oder es sind Texte, Sprachsequenzen und Bildszenen, die zusätzlich den entsprechenden Bedeutungsrahmen bilden. Diese Elemente können zur Metapherndeutung beitragen, sie repräsentieren aber nicht unmittelbar den jeweiligen Sachverhalt oder Begriff. Damit ist gegenüber der ersten Variante vermutlich eine eher unsichere gedankliche Unterstützung der Metapherndeutung zu erwarten. Mit der Variante (b) sind Elemente gemeint, die auf eine Metapher zusätzlich als entsprechende Sachverhalte oder Begriffe hinweisen. Dies kann u.a. ein Satz sein, der indirekt den Zusammenhang zwischen Metapher und Sachverhalt beschreibt und in dem die Metapher als Satzglied eingebunden ist.
Mit der dritten Variante (c) ist ein nicht unmittelbar zuordbaren Kontext angesprochen, wie z.B. textliche Ausführungen oder eine Handlungssituation, in deren Zusammenhang die Bedeutung des metaphorisierten Sachverhaltes oder Begriffs zur Wirkung kommen kann. Dieser Zusammenhang muss visuell-gedanklich als Kontext gedanklich realisiert und mit den beiden Konzeptbereichen verknüpft werden. Es ist dabei nicht ausgeschlossen, dass sich daraus eine eher irritierende Unterstützung ergibt und daher der metaphorische Kontext nur eingeschränkt registriert werden kann. Die dritte Variante (c) meint einen nicht unmittelbar zuordbaren Kontext, wie z.B. textliche Ausführungen oder eine Handlungssituation, in deren Zusammenhang die Bedeutung des metaphorisierten Sachverhaltes oder Begriffs zur Wirkung kommen soll.
Die beispielhaft aufgeführten externen Bedingungen des Metapherngebrauchs stehen in Beziehung zu den internen gedanklichen Möglichkeiten und Erfordernissen beim Rezipienten bzw. Perzipienten. Das heißt, welche gedanklichen Faktoren müssen beim Rezipienten verfügbar sein, um die Ansprüche, die aus den metaphorischen Bedingungen resultieren, erfüllen zu können? Durch die Ausweitung der Relevanz von Metaphern über die sprachlich-poetische Ebene hinaus wird deutlich, dass es sich bei ihnen nicht allein um semantische Kriterien handelt, sondern die eigentliche Bedeutungszuordnung und Verknüpfung vor allem im Rahmen eines Denkprozesses (Diskursebene) erfolgen. Damit reichen die üblichen sprachlichen Zuordnungen nicht mehr aus, sondern diese müssen beispielsweise durch Zuerkennungen von Bedeutungen (Prädikation) und Umwandlungen von Metapherninhalten (Sublimierung) aus einer Vielzahl von Möglichkeiten herausgefunden werden (vgl. Krämer 1990, S.64). Somit herrscht also die Vorstellung, dass dieses nicht wörtlich (lexikalisch) erfolgen kann, sondern u.a. zusätzlich von den konkreten Bedingungen des jeweiligen Metapherngebrauchs ausgeht. Dabei greift der Rezipient gleichsam gedanklich auf die Sachverhalte und Objekte selbst zurück, die durch die Metapher repräsentiert und registriert werden und auf die Erlebnisse und Erfahrungen, die er dabei gemacht hat. Die aufgeführten externen Bedingungen des Metapherngebrauchs stehen in Beziehung zu den internen gedanklichen Möglichkeiten beim Rezipienten. Das heißt, welche gedanklichen Faktoren müssen beim Rezipienten verfügbar sein, um die Ansprüche, die aus den metaphorischen Bedingungen resultieren, erfüllt werden können?

Die eigentliche Bedeutungszuordnung muss auf einer Diskursebene erfolgen. Die Zuordnungen erfolgt durch Prädikation und Sublimierung.

Da die Sprache („das Wörtliche“) und ihr Bedeutung in ständigem Austausch stehen, wird bei Petra Gehring (2011) die Frage gestellt, inwieweit bei der Metaphernbedeutung das Sinnbildliche, also das Gegenständliche und seine Vorstellung überwiegen. Gedanklich über dem Sinnbildlichen steht der „Fokus“ (=Brennpunkt), der Bezug nimmt auf die Begriffe „topic“, „vehicle“ und „ground“, mit denen eine sprachlich-gedankliche Gliederung und Bedeutungsabstufung von Metaphern vorgeschlagen wird (Max Black 1983Paivio et al. 1993). Ein Fokus kann gedanklich in einem zusätzlichen sprachlichen Rahmen verortet sein und wird damit als zentrales Bedeutungselement gegenüber weiteren Textelementen herausgehoben. Weiterhin kann er selbst und  in seiner Stellung in einem Text als „Fokusort“ durch sogenannte Fokuspartikel sprachlich explizit gekennzeichnet werden (z.B. als „nur“, „auch“, „nicht einmal“ …  dieses Objekt oder dieser Begriff; vgl. z.B. dazu Dimroth 2004). Ein Fokus, der durch einen entsprechenden Fokusausdruck repräsentiert wird, existiert danach allerdings nicht nur semantisch in einem Satz, sondern bildet quasi die „gedankliche Klammer“ zwischen einem sprachlich repräsentierten Sachverhalt (sprachlicher Raum) und der jeweiligen Metaphernbedeutung (gedanklicher Raum). Dazu führt Gehring zusammenfassend an, dass sich die Deutungen einer Metapher Ein Fokus kann gedanklich in einem sprachlichen Rahmen zusätzlich verortet sein und wird gedanklich gegenüber weiteren Textelementen herausgehoben. Ein Fokus kann selbst und  in seiner Stellung in einem Text als „Fokusort“ durch  Fokuspartikel gekennzeichnet werden.

Ein Fokus, der durch einen Fokusausdruck repräsentiert wird, existiert nicht nur in einem Satz, sondern bildet die „gedankliche Klammer“ zwischen einem sprachlich repräsentierten Sachverhalt (sprachlicher Raum) und der jeweiligen Metaphernbedeutung (gedanklicher Raum).

„unter anderem auf – wahrscheinlich mehrere – gegenständliche, teils der sinnlichen Erfahrung mit den Dingen  nachgespürte Eindrücke erstrecken, teils aber auch Ungegenständliches, semantische Konnotationen und überhaupt allerlei symbolisch Vermitteltes enthalten: Erinnertes, Erzähltes und Imaginäres. Dazu schwingen womöglich regelrechte Intertexte [mit Bezug zu anderen Texten] und phonetische Aspekte mit.“ (S. 4)

Das „Ähnlichkeitskriterium“, das zwischen Sachverhalt und Metapher allgemein angenommen wird, schließt ein, dass dabei sowohl die textliche oder bildliche Umgebung eine Rolle spielt und im metaphorischen Prozess Interpretationen möglich sind (Diskursebene). Dazu besteht die Meinung, dass für die Metaphernbedeutung und ihrer Übertragung nicht von einer „Verallgemeinerbarkeit“ ausgegangen werden kann, sondern von einer „Präzision im Einzelfall“, die für einem bestimmten metaphorischen Zusammenhang (Kontext) vorausgesetzt wird (Gehring 2011, S. 5). Entgegen der häufig vertretenen Einschätzung von „Unbestimmtheit“, „Leere“, „Unbegreiflichkeit“ oder „Unerschöpflichkeit“ der Metaphorik, stellt Gehring die Frage nach der Begrifflichkeit der Metapher. Also ist das Metaphorische weniger präzise als das „Buchstäbliche“? Im Sinn einer definitorischen Bestimmtheit wird dem zugestimmt, für einen „Einzelfall“ wird aber sogar ein erhöhtes Unterscheidungs- und Auflösungsvermögen, also Klarheit der Metapher angenommen. Auch Begriffe lassen sich „ausdeuten“ oder im Rahmen eines anderen Kontextes uminterpretieren. Bei Metaphern ergibt sich aber eine andere Aufgabe, indem sie einer Fragestellung „im Moment“ angenäherter ist, als dies die Sprache kann. Durch Metaphern kann im Moment etwas „klar“ werden. Sie bieten die Möglichkeit einer Exaktheit, durch die vorhandene begriffliche Differenzierungen genutzt werden, um diese zugunsten einer realen Situation zu dynamisieren.  Das „Ähnlichkeitskriterium“, das zwischen Sachverhalt und Metapher allgemein angenommen wird, schließt ein, dass dabei die textliche oder bildliche Umgebung eine Rolle spielt und damit im metaphorischen Prozess Interpretationen möglich sind (Diskursraum).

Dazu wird davon ausgegangen, dass für die Metaphernbedeutung und ihrer Übertragung nicht von einer „Verallgemeinerbarkeit“ ausgegangen werden kann, sondern von einer „Präzision im Einzelfall“.

Die grundsätzliche Diskussion über die Präzision von Metaphern ist noch relativ unergiebig, obwohl dieser Gesichtspunkt im Rahmen von Fachsprachen und bildlichen Präsentationen von erheblichem Interesse sein kann (vgl. Brezina 2015). Beispielsweise bei Skirl (2009) spielt diese Eigenschaft zwar eine Rolle, wird aber überwiegend als Kriterium zur Bewertung von verschiedenen Metaphertheorien hinsichtlich ihrer „emergenten Eigenschaften“ genutzt (vgl. Fehse 2010) und ist daher nur bedingt für die allgemeine Bewertung von Metaphern geeignet. Im Bereich der Metaphorikdiskussion (vgl. Enno 2009; Mosen 2017) wird dazu verstärkt die Dynamik des Metapherngebrauchs diskutiert. Dabei gilt nach Müller (2008), dass je stärker die Metapher ihren Kontext bestimmt, desto stärker aktiviert ist ihre Metaphorizität. Metaphorizität ist demnach nicht nur aktivierbar, sondern auch steigerbar. Insgesamt kann also festgehalten werden, dass die in Kapitel 4.3.4  aufgeführten Frage nach der „Präzision“ und „Genauigkeit“ von Metaphern in der wissenschaftlichen Diskussion zur Zeit noch keine herausragende Rolle spielt, sie aber in der definierten Form weiter konkretisiert werden müsste. Die Diskussion über die Präzision von Metaphern ist noch relativ unergiebig, obwohl dieser Gesichtspunkt im Rahmen von Fachsprachen und bildlichen Präsentationen von erheblichem Interesse sein kann.

Es kann davon ausgegangen werden, dass je stärker die Metapher aus ihrem Kontext bestimmt wird, desto stärker aktiviert ist ihre Metaphorizität. Metaphorizität ist also nicht nur aktivierbar, sondern auch steigerbar.