B 3. Informationen und Wissen in Kartographischen Handlungsfeldern

3. Informationen und Wissen in Kartographischen Handlungsfeldern

Informationen, die aus Karten visuell extrahiert werden, können durch gedankliche Transformationen in georäumliches Wissen überführt werden.  Die Informationen basieren auf Daten, die „individuell“ erfasst sein können  oder, was in der Regel der Fall ist, die aus einer „allgemeinen Datenquelle“ abgeleitet sind. Gedankliche Transformationen führen dazu, dass die spezifischen „Verwaltungsmerkmale“ von Daten und die „Übertragungsmerkmale“ von Informationen durch gedankliche Abstraktionen nivelliert werden, was häufig mit einer Veränderung des Gehaltes des abgeleiteten Wissens gegenüber dem von Informationen verbunden ist. Aufgrund dieser Veränderungen sollte verfolgt werden, unter welchen Bedingungen diese Veränderungen stattfindet. Informationen können durch gedankliche Transformationen in georäumliches Wissen überführt werden.
Der Transformationsprozess führt dazu, dass die spezifischen Übertragungsmerkmale von Informationen durch gedankliche Abstraktionen nivelliert werden.

3.1 Informationen und Wissen

Im Lexikon der Kartographie und Geomatik wird der Begriff „Informationen“  sinngemäß folgendermaßen definiert:

Informationen werden zur Übermittlung von Wissen in eine bestimmte Form gebracht … oder Wissen wird aus übermittelten Informationen abgeleitet. Die zu übermittelnden Informationen müssen einer Wissensverwendung dienen, für einen Adressaten bedeutsame Aspekte eines Sachverhalts enthalten, in ein durch Konventionen geregeltes Verständigungsmittel gefasst und an einen Träger gebunden sein, wodurch es informationellen Operationen unterworfen werden kann.

Informationen sind an menschliches Bewusstsein gebunden und können nur zwischen Menschen vermittelt werden. Sie wirken in zweierlei Hinsicht und zwar in übertragender Hinsicht durch den jeweiligen Informationsträger und in erkenntnisbildender Hinsicht durch das übermittelte Wissen.

Vor diesem Hintergrund sind Informationen im Rahmen von Kommunikationsprozessen Mitteilungen, an Problem- und Wissenskontexte gebunden und ggf. an einen bestimmten Handlungsbedarf gekoppelt.

Definition des Begriffs Informationen:

Informationen werden zur Übermittlung von Wissen in eine bestimmte Form gebracht … oder Wissen wird aus übermittelten Informationen abgeleitet.

 

 

 

Informationen sind im Rahmen von Kommunikationsprozessen Mitteilungen, an einen Wissenskontexte oder einen Handlungsbedarf gebunden.

Dieser allgemeine Charakter von Informationen kann für den Bereich der „Kartographischen Informationsverarbeitung“ konkretisiert werden:
Informationen sind in Karten bzw. in kartographischen Medien graphisch repräsentiertes und visuell-gedanklich ableitbares georäumliches Wissen. Informationen werden in Form von graphischen Konstrukten repräsentiert und sind besonders gekennzeichnet durch die räumliche Isoliertheit abgebildeter Objekte, eine modellhafte und vereinfachte geometrische Grundrissstruktur sowie eine inhaltliche Zusammenfassung der Objekte zu Klassen.
Diese Definition unterscheidet kartographische Informationen von Informationen anderer graphischer Medien, z.B. von Luftbildern oder Satellitenbildern, von photographischen Aufnahmen oder von Diagrammen (vgl. auch Kap. 3.2.2).
Informationen sind in Karten  graphisch repräsentiertes und visuell wahrnehmbares georäumliches Wissen, dass in Form von modellhaften Grundrissen und graphischen Konstrukten abgebildet wird.
Der Unterschied zwischen „Informationen“ und „Wissen“ aber auch von „Daten“ und „Erkenntnissen“ ist in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen wie der Philosophie, der Informatik, den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften nicht einheitlich geklärt. Für die vorliegenden Ausführungen wird von folgender „vergleichender“ Definition ausgegangen: Die Begriffe Informationen, Wissen, Daten und Erkenntnisse sind in entsprechenden Wissenschaften nicht einheitlich definiert.
  • Daten sind „durch Zeichen codierte Informationen, die als numerische oder alphanumerische Angaben zu Sachverhalten und Gegebenheiten gebildet werden“ (Müller 2001).
  • Informationen sind Wissen, das zur Übermittlung und Aneignung in eine bestimmte Form gebracht wird oder sind das Ergebnis dieser Übermittlung und dienen der Ableitung von Wissen (s.o.).
  • Wissen sind Informationen, die gedanklich von Merkmalen spezifischer Übertragungsformen befreit sind oder entsteht aus gedanklichen Prozessen und ist auf bestimmte Ereignisse oder Handlungen ausgerichtet.
  • Erkenntnisse sind das Ergebnis eines durch gesellschaftliche Bedürfnisse und Fähigkeiten, durch Einsicht und Erfahrung erzeugtes kollektives Wissens, dass in der Regel allgemein zur Verfügung gestellt ist.
Wissen entsteht individuell, zweckbezogen und kontextuell durch einen menschlichen Organismus und stellt gedanklich repräsentierte materielle oder theoretische „Erscheinungen“ der Realität dar. Erkenntnisse repräsentieren dagegen kollektives Wissen, dass von Individuen und der Gesellschaft erzeugt wird. Beide Wissensformen werden im Rahmen von Kartographischen Handlungsfelder als Informationen in Medien in unterschiedlicher Weise graphische repräsentiert und als gewonnene Informationen mit Hilfe gedanklicher Transformationen weiterverarbeitet und kommuniziert. „Wissen“ entsteht individuell durch den menschlichen Organismus und repräsentiert materielle oder theoretische Erscheinungen der Realität.
„Erkenntnisse“ sind kollektives Wissen, das von Individuen und der Gesellschaft erzeugt wird.
„Wissensbildung“ aus Informationen kann, wie im Lexikon für Kartographie und Geomatik beschrieben wird, unter drei operativen Gesichtspunkten betrachtet werden (Bollmann 2002l): Der gedanklicher Weg von Informationen zu Wissen:
  • Merkmale, Elemente, die zur visuellen Ableitung von Informationen erforderlich sind, werden gedanklich nivelliert. So werden beispielsweise Konstruktionselemente vernachlässigt, zeichenbedingte Verzerrungen ausgeglichen, theoriegeleitete Klassifikationen von Bedeutungen nivelliert  und thematische Zusammenhänge hervorgehoben.
Konstruktionselemente werden vernachlässigt, zeichenbedingte Verzerrungen ausgeglichen, theoriegeleitete Klassifikationen nivelliert, inhaltliche Zusammenhänge hervorgehoben.
  • Objekte, die in geometrischer und graphischer Hinsicht in ihren Dimensionen verändert abgebildet sind, werden gedanklich auf ihre reale Dimension übertragen. Maßstabsbedingte Vereinfachungen werden gedanklich auf ihre realen Zustände rückgeführt und die in der Karte optische Isoliertheit von Objekten wird gedanklich durch die Bildung von bedeutungsmäßigen und funktionalen Umgebungen aufgehoben.
Objekte werden gedanklich auf ihre reale Dimension übertragen, Vereinfachungen auf  reale Zustände transformiert,  die Isoliertheit von Objekten wird aufgehoben.
  • Wissen, das aus Informationen abgeleitet wird, wird zur gedanklichen Weiterverarbeitung kontextuell sowie ziel- und handlungsorientiert ausgerichtet.
Das Wissen wird ziel- und handlungsorientiert ausgerichtet.
Die genannten Vorgänge können in kürzesten Zeiträumen verlaufen und in unterschiedlichen Kombinationen erfolgen. Die Ergebnisse, die sich daraus ergeben, können dann beispielsweise gedanklich mit Informationen aus demselben Medium oder aus anderen Medien sowie mit weiterem Wissen verarbeitet werden. Die Vorgänge können in kürzesten Zeiträumen verlaufen und in unterschiedlichen Kombinationen erfolgen.

3.1.1 Informationsstruktur

Der Begriff “Medium“ wird allgemein, aber auch im Rahmen der Kartographie, unterschiedlich definiert. Allein für den Bereich „elektronische Medien“ ergeben sich diverse Merkmale, nach denen sie unterschieden werden (vgl. Müller 2002b; Bollmann 2002k). Für die vorliegenden Ausführungen ist das Merkmal „Kodierungsform“ von Interesse, also der Übertragungsmodus, nach dem – der klassischen Definition folgend – Informationen durch einen sog. „Sender“ kodiert und durch einen „Empfänger“ dekodiert werden (vgl. dazu z.B. Fechtner 1972). Kodierungsform von Medien bedeutet, dass Informationen von einem Sender kodiert und durch einen Empfänger dekodiert werden.
Im Rahmen von Kartographischen Handlungsfeldern sind folgende Medien mit unterschiedlichen Kodierungsmodi besonders relevant:

  • akustische und textliche „Sprachkodes“,
  • „numerische“ und „digitale Kodes“,
  • „graphische Kodes“,
  • „Bildkodes“ und „optische Strukturen“ von Aufnahmesystemen.

Dazu gerechnet werden können außerdem das „Gehirn“ mit seinen Speicherformen sowie die „erlebbare Welt“ als Informationsanbieter. Sämtliche aufgeführten Kodierungen ermöglichen die Aufnahme, Abgabe und Weiterverarbeitung von Informationen und Wissen in einer spezifischen Form.

Medien mit unterschiedlichem Kodierungsmodus:
Text (Sprache), numerische und digitale Kodes, graphisch Kodes, Bildkodes und visuell-gedankliche Aufnahmesysteme; außerdem die „erlebbare Welt“  und das „Gehirn“.
Eine ähnlich erweiterte Bedeutung wie für den Begriff „Medium“, ergibt sich für den Begriff „Kommunikation“. Ursprünglich – vor allem aber auch aktuell – wird als Kommunikation „die Übermittlung von Nachrichten zwischen Menschen auf der Grundlage eines gemeinsamen Zeichenvorrats als notwendige Voraussetzung für das Zusammenleben … in sozialen Gemeinschaften“ definiert (Tainz 2002c). In den 1970er Jahren wurde diese Bedeutung durch Theorieansätze der Kybernetik erheblich erweitert, indem jede Art der „Übermittlung von Informationen“ zwischen dynamischen Systemen, die zur Aufnahme, Speicherung, Weiterverarbeitung und zum Austausch fähig sind, als Kommunikation bezeichnet wird (vgl. Fechtner 1972). Zurzeit wird deutlich, dass sich Medien, Geräte und selbst die Umwelt zu aktiven und selbstständigen Kommunikationspartnern entwickeln und daher der genannte Begriff sicherlich noch eine Erweiterung erfährt. „Kommunikation“:
Übermittlung von Nachrichten zwischen Menschen auf der Grundlage eines gemeinsamen Zeichenvorrats als notwendige Voraussetzung für das Zusammenleben … in sozialen Gemeinschaften.
Im Rahmen der Kultur-, Medien- und Bildwissenschaften wird die „Karte“ zurzeit in ihrer Funktion als „bildliches Argument“ und als „gedankliche Metapher“ sowie insgesamt in ihrer Position in der Gesellschaft diskutiert. Auf die sich daraus  entwickelnden kommunikativen und kulturellen Einschätzungen wird in Kap. 4. ausführlich eingegangen. Vergleiche dazu vorab Picker et al. (2013) und Schlottmann et al. (2015). Die Karte in der Kultur- und Medientheorie bzw. den Bildwissenschaften
Im kartographischen Kommunikationsprozess werden beim Austausch von Informationen und bei der parallelen oder aufeinanderfolgenden Nutzung verschiedener Medien gedankliche Transformationen durchgeführt, die zu einem Wechsel zwischen Informationen und Wissensstrukturen führen. Dieser Wechsel wird angestrebt, um Mit Hilfe gedanklicher Transformationen wird ein Wechsel von Informationen in Wissensstrukturen ermöglicht:
  • durch Informationen optimale sensorische Übertragungsbedingungen und
  • durch Wissen optimale gedankliche Verarbeitungsbedingungen

zu erhalten.

Informationen führen zu optimalen Übertragungsbedingungen, Wissen führt zu optimalen Verarbeitungsbedingungen;
Durch Transformationen von Informationen in Wissen kann eine Reduzierung aber auch eine Erweiterung des Informations- und Wissensgehalts entstehen. Beide ergeben sich durch den Transformationsprozess selbst, durch Verknüpfung mit Kontextwissen aus einem konkreten Handlungszusammenhang und durch langfristig verfügbares Erfahrungswissen. Durch Transformationen kann eine Reduzierung aber auch eine Erweiterung des Informations- und Wissensgehalts entstehen.
Im Zusammenhang mit einer Informations-Wissen-Transformation ergeben sich drei Fragestellungen:  Drei Fragestellungen:
  • Unter welchen Bedingungen erfolgt die Transformation von Informationen in Wissen? Im Zusammenhang mit der  visuellen Extraktion und gedanklichen Enkodierung von Informationen oder nach der Verlagerung der Aufmerksamkeit vom jeweiligen Reizkonstrukt auf weitere Standorte und Informationen, beispielsweise beim visuellen Vergleich oder zur gedanklichen Verknüpfung („Inferenzenbildung“)?
Wann erfolgt die Transformation von Informationen: Beim Vorgang der Extraktion oder bei der Weiterverarbeitung mit anderen Informationen?
  • In welchem Wahrnehmungszusammenhang sind Informationen relevant und in welchem Zusammenhang daraus abgeleitetes Wissen? So können beispielsweise beim Vergleich von „geometrischen Informationen“ die verfügbaren Gedächtnisressourcen nicht mehr ausreichend sein und die Informationen in Wissen transformiert werden, da Wissen in der Regel merkfähigere Strukturen aufweist.
Wann sind im Wahrnehmungsprozess besonders Informationen relevant und wann abgeleitete Wissensstrukturen?
  • Welche Wissensformen und welche Fähigkeiten sind für die visuelle Ableitung und Verarbeitung von Informationen und welche für die Transformation von Informationen in Wissen erforderlich? Dazu werden im folgenden Kapitel verschiedene Wissensformen vorgestellt.
Welche Wissensformen und Fähigkeiten sind für die  Verarbeitung von Informationen und Wissen erforderlich?

3.1.2 Wissensstruktur

Der kartographische Wahrnehmungsprozess wird von verschiedenen Wissensformen geprägt, die die Effektivität und den Erfolg der Wahrnehmung mitbestimmen. Für die Transformation von Informationen in Wissensstrukturen ist entscheidend, welches Wissen und in welchem Umfang unterstützendes Wissen und gedankliche Fähigkeiten zur Verfügung stehen. Ausgehend von der üblichen Unterscheidung in „explizites“ und „implizites“ Wissen nach Polanyi (1966, dt.1985), werden im Folgenden für die Transformation von Informationen in Wissen im Rahmen von Handlungsfeldern drei (im Wesentlichen „prozessuale“) Wissensformen unterschieden: Der kartographische Wahrnehmungsprozess wird von verschiedenen Wissensformen und Fähigkeiten geprägt.
Methodenwissen: Unter Methodenwissen werden Fähigkeiten und Fertigkeiten verstanden, nach denen Informationen und Wissen zu verarbeiten sind, das heißt, mit deren Hilfe Prozesse der Informations- und Wissensverarbeitung aktiviert, gesteuert und durchgeführt werden. Dabei wird unter „Fähigkeiten“ der gedankliche Gebrauch von Wissen verstanden, um die Anwendung und Ausführung von Fertigkeit zu gewährleisten. Unter „Fertigkeit“ wird die bei der Ausführung von Tätigkeiten erworbene Geschicklichkeit, Routine und Technik verstanden.

Karten weisen „genormte“ oder zumindest „teilgenormte“ Strukturen auf, so dass erlernte Fähigkeiten bzw. erlerntes Wissen, die auf der Basis dieser Strukturen entstehen, besonders effektiv auf Folgesituationen übertragen werden können. Dieser Sachverhalt unterscheidet den Wahrnehmungsprozess in Karten häufig von dem in Bildern oder Graphiken, da bei Karten – besonders „fachwissenschaftlichen Karten“ – methodisches Wissen eine besondere Rolle spielt. So haben verfügbare kartenspezifische Fähigkeiten, beispielsweise bei der Transformation von Informationen in Wissenstrukturen, einen besonderen unterstützenden Einfluss. Dieses Erfahrungs- oder Methodenwissen kann u.a. als mentale Fähigkeiten und Fertigkeiten in verschiedenen Varianten gedanklich zur Verfügung stehen oder sich im Verlauf eines Wahrnehmungsprozess entwickeln (vgl. „Karteninterpretation“, Schütt 2001). Es ist also Wissen, das

Unter Methodenwissen werden Fähigkeiten und Fertigkeiten verstanden, nach denen Wahrnehmungsprozesse aktiviert, gesteuert und durchgeführt werden können.

 

 

Karten weisen „genormte“ Strukturen auf, so dass daraus erlernte Fähigkeiten besonders effektiv auf Folgesituationen übertragen werden können.

 

Erfahrungs- oder Methodenwissen kann  entstehen u. a. aus

  • unmittelbar im Ablauf eines aktuellen Wahrnehmungsprozesses entsteht;
  • bei einer vorangegangenen Nutzung derselben Karte entstanden ist und daher auf dieselbe Graphik und denselben Inhalt übertragen werden kann;
  • aus der Nutzung „vergleichbarer“ Präsentationsformen abgeleitet ist, also z. B. aus der Nutzung von Karten eines Kartenwerks oder Karten verschiedener Modellformen, deren Abbildungsbedingungen mit denen der aktuellen Karten in relevanten Details übereinstimmen;
  • dass nicht unmittelbar aus „praktischen Erfahrungen“ resultiert, sondern im Rahmen von „systematischen“ Lernprozessen (Unterricht, Lehre u.ä.) angeeignet wurde.
  • dem aktuellen Wahrnehmungsprozess,
  • der vorherigen Nutzung derselben Karte,
  • der vorherigen Nutzung vergleichbarer Karten,
  • aus „systematisierten“ Lernprozessen
Es ist anzunehmen, dass bei Verfügbarkeit und entsprechend angepasster Ausprägung von Methodenwissen, ein Wahrnehmungsprozess effektiver verläuft und das Ergebnis besonders gut den Zielvorstellungen entspricht. So können z.B. Grundrissdimensionen, Verteilungen von Zeichen (Objekten), Relationen von Farbtonabstufungen sowie bestimmte semantische Muster schneller und richtiger identifiziert und verglichen  werden. Insgesamt werden also, je nach Ausprägung des Methodenwissens, die Sicherheit und der Erfolg im Wahrnehmungsablauf gefördert und der visuelle Zugriff auf Merkmale beschleunigt. Besonders wird auch die Überprüfung von Wahrnehmungsergebnissen methodisch erfolgen und damit einen zielorientierten und systematischen Verlauf der Wahrnehmung fördern. Bei zunehmender Verfügbarkeit  von Methodenwissen, wird der Wahrnehmungsverlauf effektiver sein und das Ergebnis eher den Zielvorstellungen entsprechen.
Strukturwissen: Unter Strukturwissen wird Wissen über den strukturellen Aufbau von „Kartographischen Modellformen“ bzw. generell von Karten verstanden (vgl. Kap. 1.3). Das Wissen umfasst nicht nur die Struktur selbst, sondern besonders die Kenntnis ihrer Wirkungsweisen, da daraus eine gezielte Ausrichtung des Wahrnehmungsprozesses und der Informationsverarbeitung möglich ist. Die „selbstverständliche“ Nutzung von Modellformen in der Praxis zeigt, dass deren graphischen und funktionalen Strukturen häufig aufgrund von konventionalisiertem Wissen „selbsterklärend“ sind, das heißt, dass für den „Einstieg“ in den Wahrnehmungsprozess und die Ableitung von Informationen keine neu zu erarbeitenden visuell-kognitiven Fähigkeiten erforderlich sind. Allerdings ist zur Beurteilung der Wirkung von „Grundrissgeometrie“, „Konstruktionsgeometrie“ sowie „Ordnungsgraphik“ und „Bedeutungsgraphik“ , wie sie in Kapitel 1.3.1 formuliert wurden, anspruchsvolles Strukturwissen erforderlich, was sicherlich nur bei entsprechender fachlicher Kompetenz vorausgesetzt werden kann (vgl. Kurbel 1992). Unter Strukturwissen wird Wissen zum strukturellen Aufbau und zur Wirkungsweise von „Kartographischen Modellformen“ bzw. von Karten verstanden.
Strukturwissen kann umfassend nur bei „Experten“ vorausgesetzt werden.
Der Ablauf eines Wahrnehmungsprozesses auf der Basis von Strukturwissen kann durch Kenntnis „visueller Kenngrößen“ (Vorgang, Position, Substanz, Aktionsbereich; vgl. Kap. 2.2.2.2) unterstützt werden. Die Einbindung der visuellen Kenngrößen in „gedankliche Vorstellungseinheiten“ (Zieleinheit, Aktionseinheit, Ergebniseinheit; vgl. Kap. 2.2.2.3) kann darüber hinaus den Ablauf eines Wahrnehmungsprozesses verstärkt strukturieren helfen. Dieser Wissensansatz, mit seinen spezifisch visuell-gedanklichen Ausrichtungen, kann zwar eine sinnvolle strukturelle Gliederung eines Wahrnehmungsvorgangs darstellen, er kommt aber vermutlich im praktischen Wahrnehmungsablauf nur selten „bewusst“ zur Anwendung. Der Ablauf eines Wahrnehmungsprozesses kann durch Kenntnis „visueller Kenngrößen“ und durch deren Zuordnung zu „Vorstellungseinheiten“ unterstützt werden. Das Wissen steht allerdings nur selten konkret gedanklich zur Verfügung.
Bezugswissen: Unter Bezugswissen wird Wissen verstanden, dass im Rahmen einer Informations-Wissens-Transformation die Wissensbildung unterstützt und beeinflusst. Es wird aus Erkenntnissen oder kommunizierten Ergebnissen des zugehörigen Zusammenhangs einer Handlungseinheit („Kontextwissen“) gebildet oder resultiert aus dem Wissensbesitz des Wahrnehmenden. Im raumbezogenen Handlungsprozess kann Bezugswissen aus anderen Karten oder anderen Medien abgeleitet sein. Häufig werden wichtige Handlungsphasen und Tätigkeiten besonders durch Texte aber auch durch Statistiken, Fotos und Graphiken erklärend begleitet (vgl. Abb. 32.1). Für eine kombinierte Nutzung von Medien, ist es besonders wichtig, dass die jeweils spezifischen Kodierungen und Inhaltsstrukturen der einzelnen Medien bekannt und aufeinander abgestimmt sind. Unter Bezugswissen wird Wissen verstanden, dass im Rahmen der Informations-Wissens-Transformation besonders die Wissensbildung unterstützt und beeinflusst.
Im nächsten Kapitel werden dazu die Kodierungen verschiedener Medien angesprochen und ihre möglichen Auswirkungen auf die Wissensbildungen im Kommunikations- und Handlungsprozess diskutiert. Dazu stellt sich auch hier die Frage, ob Fakten, Sachverhalte und Vorgänge gedanklich in Form von Informationen oder in Form von Wissen verarbeitet werden oder ob im medialen Informationsaustausch gedankliche Zwischenschritte erfolgen, bei denen die zu vermittelten „Nachrichten“ wechselseitig transformiert, das heißt, sowohl als Informationen als auch als Wissen verarbeitet werden? Mit Kenntnis dieser Problematik können die Stärken und Schwächen kartographischer und anderer Medien besser eingeschätzt und die Transformation von Informationen und Wissen gegebenenfalls spezifischer ausgerichtet und gesteuert werden. Im nächsten Kapitel wird der Unterschied zwischen den Kodierungen verschiedener Medien angesprochen.

Dazu die Frage, ob Fakten, Sachverhalte und Vorgänge gedanklich in Form von Informationen oder als Wissen verarbeitet werden.