4.4 Struktur von Zeichen

4.4 Struktur von Zeichen

Abb. 44.1 Beispiele für elementare Zeichentransformationen (aus Bollmann 1985)

Beispiel für strukturierte Zeichentransformationen

Abb. 44.2 Beispiel für strukturierte Zeichentransformationen (aus Bollmann 1985)

Um Kartographische Zeichen bzw. Figurationen an sich dynamisch verändernde Situationen des Informations- und Wissensbedarfs oder an sich verändernde Anforderungen an mentale Wahrnehmungsleistungen und -bedürfnisse anpassen zu können, werden diese so strukturiert, dass sie variabel verändert und z. B. interaktiv am Bildschirm an bestimmte Situationen angepasst werden können. Für die Wahrnehmung im Rahmen unterschiedlicher Kommunikationsprozesse haben diese Transformationen einen hohen Stellenwert, da dem Wahrnehmenden der optische Wechsel ggf. präsentiert wird und er sich neben der visuellen Einstimmung auf einzelne Muster auch auf den Prozess der Veränderung selbst einstellen muss. Im Folgenden werden einige Aspekte der Variabilität von Figurationen unterschieden. Transformationen von Zeichen oder Figurationen werden dem Wahrnehmenden ggf. am Bildschirm präsentiert, so dass er sich neben der Einstimmung auf einzelne Muster auch auf den Prozess der Veränderung selbst einstellen muss.
Aufgrund der variablen Ausrichtung von Zeichen- bzw. Figurationspräsentationen ergeben sich für die praktische Zeichenmodellierung verschiedene Variationsmöglichkeiten. So besteht eine unstrukturierte Figuration z.B. aus einem einzigen graphischen Zeichenelement und kann nur mit diesem Element verändert werden (Abb. 44.1). Eine unstrukturierte Figuration kann z.B. aus einem einzigen graphischen Zeichenelement bestehen und daher nur begrenzt variiert werden.
So besitzen Figurationen, die aus einer größeren Anzahl von graphischen Figuren und Elementen bestehen, über eine größere Variationsbreite als Figurationen mit wenigen Figuren und Elementen, was am Beispiel in Abb. 44.2 deutlich wird (Aus Figurationen (Z) entstehen Variationen (Zv1 – Zv3); variiert werden die Figuren (F1- F3); nicht variiert werden Elemente (E1 – E3)). In Abb. 44.3 ist ein Beispiel dargestellt, bei dem logische Hierarchien von Sachverhalten durch entsprechend verknüpfte und geschachtelte Zeichenfiguren und -elemente abgebildet werden. Figurationen, die aus einer größeren Anzahl von graphischen Figuren und Elementen bestehen, besitzen eine größere Variationsbreite, so dass für ihre Identifizierung und Unterscheidung größere Wahrnehmungsleistungen erforderlich sind.
Beispiel für den logischen Aufbau kartographischer Zeichen zur Repräsentation einer hierarchischen Klassenstruktur (nach Arnberger 1997 und Koch 2001)

Abb. 44.3 Beispiel für den logischen Aufbau kartographischer Zeichen zur Repräsentation einer hierarchischen Klassenstruktur            (nach Arnberger 1997 und Koch 2002a)

Abb. 33.11 Zeichenmuster (A – D) mit Zeichenfigur (ZF) und Musterdistanz (MD)

Abb. 44.4 Zeichenmuster (A – D) (aus Bollmann 1985)

Ein wichtiges Kriterium für die Bildung von kartographischen Zeichen ist die periodisch wiederkehrende Anordnung gleicher Elemente in einer Figuration. Dieses gilt sowohl für punkthafte als auch für linienhafte und flächenhafte Figurationen, bei denen häufig einzelne Elemente bzw. Figuren in einer bestimmten Anordnung linear oder flächig verteilt werden. Die Position der Elemente oder Figuren zueinander wird u.a. durch die Musterdistanz (MD) jedes Elements oder jeder Figur beschrieben (Abb. 44.4). Ein wichtiges Kriterium für die Bildung von kartographischen Zeichen ist die periodisch wiederkehrende Anordnung gleicher Elemente in einer Figuration.
Aus dieser Definition von Figuren, Elementen, Figurationen und Mustern wird deutlich, dass die Menge von Figuren bzw. -elementen, die in einem Zeichen bzw. Zeichenmuster angelegt ist, den Grad der Variabilität dieses Zeichens oder Musters bestimmt. Für die Modellierung von Figurationen kann mit den genannten Definitionen festgelegt werden, welche Veränderungen zu bestimmten Anwendungen möglich sind und dass diese Veränderungen im Wahrnehmungsprozess ggf. identifiziert werden müssen.

4.4.1 Zeichenübergänge

Bei Lagerelationen von Objekten bzw. Grundrissdaten steht das Ziel im Vordergrund, vorgegebene räumliche Strukturen bei ihrer Abbildung so weit wie möglich zu erhalten, damit gedanklich im Wahrnehmungsprozess ein der Realität oder dem definierten Datenmodell angenähertes Wissenskonstrukt entstehen kann. Wie weiter oben gezeigt wurde, werden die Elemente des Datenraums zum größten Teil durch die Elemente des Zeichenraums überdeckt, so dass die Grundrisse und ihre räumlichen Relationen aus der überlagerten Graphik z.T. indirekt visuell abgeleitete werden müssen. Bei Grundrissdaten sollen vorgegebene räumliche Strukturen bei ihrer Abbildung so weit wie möglich erhalten bleiben, damit gedanklich ein dem definierten Datenmodell angenähertes Wissenskonstrukt entstehen kann.
33.12

Abb. 44.5 Eigenschaften von Grundrissübergängen und graphischen Abstufungen
(aus Bollmann 1985)

Ein wichtiges Merkmal des Georaumes ist der räumliche Übergang von Objektgrundrissen, d.h. ob diese voneinander isoliert oder miteinander verbunden sind oder sogar räumlich ineinander übergehen. Häufig ergeben sich diese Merkmale aus der theoretischen Überlegung, dass Datenmodelle in ihren Ergebnissen der Realität nur angenähert sein können. So sind beispielsweise bei Informationen zu „Industriestandorten“ nicht zwangsläufig deren Grundrisse von Interesse, so dass im Datenmodell von einer „isolierten“ punkthaften Verortung ausgegangen wird und die damit verbundenen Grundrisseigenschaften und Relationen vernachlässigt werden. Ein wichtiges topologisches Merkmal ist der räumliche Übergang von Objektgrundrissen, d.h. ob diese voneinander isoliert oder miteinander verbunden sind oder sogar räumlich ineinander übergehen.
Besonders markant tritt dieses Phänomen bei abstrakten Oberflächenkonstruktionen auf, bei denen aus Datennetzen Konstruktionsnetze mathematisch abgeleitet werden und diese dann mit gedanklichen Vorstellungen von entsprechenden realen topologischen oder euklidischer Grundrissrelationen kaum noch Ähnlichkeiten aufweisen (vgl. den Abschnitt B der Arbeit). Auch hier steht meistens die inhaltliche Fragestellung des Kartenthemas im Vordergrund, so dass geometrische Aspekte des Georaumes in den Hintergrund treten. Besonders markant tritt dieses Phänomen bei abstrakten Oberflächenkonstruktionen auf, die mit gedanklichen Vorstellungen von entsprechenden realen topologischen oder euklidischen Grundrissrelationen kaum noch Ähnlichkeiten aufweisen.
Als geometrische Grundstruktur sind in Abbildung 44.5 Eigenschaften von graphischen Relationen in der Abbildungsebene unterschieden, die für die Repräsentation von Grundrissrelationen geeignet sind und die auch die Basis für die Konstruktion der genannten Kartographischen Modellformen bilden. Ihnen kommt damit auch bei der visuellen Wahrnehmung und bei der Ableitung von Informationen eine wichtige Rolle zu.

4.4.2 Zeichenrepertoires

Abb. 33.13 Beispiel für ein Zeichenrepertoire: A Punktelemente mit zunehmender Ikonizität;  technische Zeichenmodellierung mit Auswahl von Parametern (aus Bollmann 1987)

Abb. 44.6 Beispiel für ein Zeichenrepertoire: A Punktelemente mit zunehmender Ikonizität; technische Zeichenmodellierung mit Auswahl von Parametern (aus Bollmann 1985)

Der Vorrat an kartographischen Zeichen ist in Abhängigkeit von den verschiedenen Themenstellungen in der Kartographie in seiner Funktion, Darstellungsform und Variabilität kaum zu überblicken. Als Basis für die Strukturierung von geometrischen Figurationen lassen sich Beispiele anführen, die implizite Strukturen aufweisen, die auch bei der Wahrnehmung eine Rolle spielen. Beispielhaft sei auf das Zeichenrepertoire in Abbildung 44.6 verwiesen, in dem die präsentierte Zeichenfolge eine zunehmende Ikonizität bzw. einen zunehmenden bildhaften Realismus aufweist und dabei zwangsläufig abnehmende graphischen Abstraktionen. Obwohl diese Überlegungen vor allem von der Repräsentation von Zeichenbedeutungen beeinflusst sind und sie damit nicht Fragestellungen der Figurationswahrnehmung tangieren, wird deutlich, dass z.B. bei der Untersuchung sensorischer Prozesse der Figurationswahrnehmung diesem Aspekt der ikonischen, symbolischen und auch strukturellen Abbildungsformen ein großer Stellenwert zukommt. Im Zeichenrepertoire der Abbildung 44.6 präsentiert die Zeichenfolge eine zunehmende Ikonizität bzw. einen zunehmenden bildhaften Realismus.